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Markt Giebelstadt

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Ingolstadt 700 n. Chr.



Der Ortsname Ingolstadt setzt sich aus dem in vielen Variationen vorkommenden, fränkischen Personennamen Ingold zusammen. Dieser Name wurde Bestandteil zahlreicher Orts- und Flurnamen im Stammgebiet der Franken am Niederrhein und in der Eifel ebenso wie in den von den Franken unterworfenen Gebieten, in der Pfalz, im Elsaß und in "Ostfranken".
Allein in der Verbindung mit der Endung - stadt, die ihrerseits auf eine Dorfgründung in fränkischer Zeit hinweist, kommt der reine Ortsnamensteil "Ingol-" dreimal vor: Ingolstadt an der Donau, Ingolstadt bei Sugenheim in Mittelfranken und Ingolstadt im Ochsenfurter Gau.
Der Ortsname Ingolstadt wanderte mit der Christianisierung und herrschaftlichen Durchdringung Ostfrankens, ausgehend vom Raum der heutigen Pfalz, des Elsaß und Lothringens mit dem Zentrum des Klosters Weißenburg, in zwei oder drei zeitlichen und räumlichen Schritten nach Osten, wie dies auch bei Baldersheim, Herchsheim, Hundsfeld, Hundsbach u.a.m. zu beobachten ist.

Streifzug durch die Besitz- und Herrschaftsgeschichte

Die erste schriftliche Erwähnung Ingolstadts "verdanken" wir der "Babenberger Fehde" im 10. Jahrhundert. In diesem erbitterten Kampf um die Vorherrschaft im Ostfrankenreich stand das aus der Wetterau stammende Geschlecht der Konradiner, verbündet mit dem mächtigen Erzbischof Hatto von Mainz und König Ludwig IV. (das Kind), gegen eine Allianz aus dem ostfränkischen Geschlecht der Babenberger (=Bamberger) und dem sächsischen Geschlecht der Liudolfinger. Nach dem Sieg über die Babenberger zog König Ludwig (900 - 911) deren Besitz ein. Zum Dank für seine Unterstützung schenkte der König 908 dem Erzbischof von Mainz das Dorf Ingolstadt im Badenachgau zu freiem eigen, das vorher der Graf Egino, Graf des Badenachgaues, als Amtslehen von den Babenbergern besaß. Der Badenachgau entsprach räumlich nahezu dem heutigen Ochsenfurter Gau.
Im 9. und 10. Jahrhundert sind die Babenberger, Graf Egino und die Erzbischöfe von Mainz als Herren über Ingolstadt urkundlich zu fassen. Ein Besitz, um den so gerungen wurde, kann nicht unbedeutend gewesen sein und daher ist es nicht abwegig, für diese Zeit die Existenz einer großen Hofstatt mit einer königlichen oder adligen Eigenkirche anzunehmen.

Ingolstadt unter den Herren von Zimmern und den Herren von Ingolstadt

Im 12. Jahrhundert treten die edelfreien Herren von Zimmern (Burg abgegangen; bei Grünsfeld) und die edelfreien Herren von Ingolstadt neben anderen Adelsgeschlechtern als Wohltäter u.a. der Klöster Bronnbach, Lochgarten, Tückelhausen, Gnadental und Gerlachsheim in Erscheinung.
1153 begegnet uns Hertwidus von Ingolstadt, der Besitz an das als Doppelkloster des Prämonstratenserordens gegründete Kloster Tückelhausen verkaufte, aus dem kurz zuvor (1145) unter Mitwirkung von Siboto von Zimmern das Frauenkloster ausgegliedert und nach Lochgarten bei Bernsfelden verlegt worden war.
Im 12. und 13. Jahrhundert prägte aber insbesondere das edelfreie Geschlecht der "Herren von Zimmern" die Geschicke im Gebiet des westlichen Badenachgaues und an der Tauber. Ende des 12. und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nennt sich eine Seitenlinie dieses edelfreien Geschlechts nach ihrem Besitzschwerpunkt "von Ingolstadt". Tragebodo, sein Sohn Albert (I) und sein Enkel Albert (II) sind urkundlich nachzuweisen. Diese Adelsfamilie "von Ingolstadt" ist auch der Eigenkirchenherr oder Patronatsherr im 12. und 13. Jahrhundert zu Ingolstadt, das zu dieser Zeit bereits aus etwa zehn Höfen bestand.
Im 14. Jahrhundert ist ein Hof zu Ingolstadt des Nonnenklosters Gerlachsheim urkundlich erwähnt, Dieses Kloster hatte Siboto von Zimmern 1197 gegründet. Der Hof gehörte wohl zur Gründungsausstattung des in den Wirren der Reformation säkularisierten Klosters Gerlachsheim.
Auch das Hofgut des Klosters Gnadenthal in Ingolstadt geht auf eine Stiftung der Familie der edelfreien Herren von Zimmern oder ihrer Besitznachfolger, der Herren von Lauda oder Boxberg, zurück. Wegen wirtschaftlicher Probleme verkaufte das Kloster Gnadental im 13. Jahrhundert (1290) seinen Besitz in Ingolstadt an die Johanniterkommende Würzburg. Der Johanniterhof zu Ingolstadt war vom Zehnt befreit, unterstand der Gerichtsbarkeit der Johanniter und fiel mit der Säkularisation am Anfang des 19. Jahrhunderts an Bayern.
Albert (II) von Ingolstadt dürfte mit dem Deutschordensritter Albert von Ingolstadt identisch sein, der im "Verstorbenenkalender" der Mergentheimer Kommende des DEUTSCHEN ORDENS in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Ritterbruder Frater Albert von Ingolstadt vermerkt ist. Der Mergentheimer Nekrolog entstand zur Mitte des 13. Jahrhunderts, also noch zu Lebzeiten des Ordensbruders Albert von Ingolstadt. Der Deutsche Orden ist einer von den vier großen, internationalen Ritterorden der Kreuzzugszeit, von denen heute nur noch die Lazaritter, der Johanniter- / Malteserorden und der Deutsche Orden existieren und die sich in unserer Zeit caritativen und seelsorgerischen Aufgaben widmen. Kennzeichen des Deutschen Ordens ist der weiße Mantel mit dem schwarzen Tatzenkreuz.

Ingolstadt unter der Herrschaft des Fürstbischofs von Würzburg

Im 13. Jahrhundert ist Ingolstadt als Besitz des Bischofs von Würzburg erstmals urkundlich belegt. Auffallender Weise werden im Jahre1236, als König Heinrich (VII.) mit seinen Anhängern und Gefolgsleuten durch seinen Vater, Kaiser Friedrich II., geächtet wurde, der kaisertreue Gottfried von Hohenlohe und einige Ministerialengeschlechter seines Lehenshofes (homines des Gottfried), Gernod von Zimmern, Konrad von Ehenheim und Hermann Lesch, vom Bischof mit dem Besitz belehnt, den zuvor Albert von Ingolstadt inne hatte, obwohl der Deutschordensritter Albert von Ingolstadt zu dieser Zeit, er starb im Jahre 1257, noch lebte. Albert von Ingolstadt dürfte ein Anhänger König Heinrichs (VII.) gewesen sein und wie andere Angehörige des fränkischen Adels aus der Gefolgschaft dieses unglücklichen Königs durch seinen Eintritt in den Deutschen Orden der Ächtung und Verbannung entgangen sein. Sein Besitz wurde jedoch eingezogen und kam so an den Bischof von Würzburg.
Bei dieser Gelegenheit dürfte auch die Pfarrkirche zu Ingolstadt in den Besitz des Fürstbischofs von Würzburg gekommen sein. Die Pfarrei Ingolstadt ist in der ersten uns erhaltenen Diözesenbeschreibung (im 14. Jahrhunderts) eine dem Fürstbischof direkt unterstellte Pfarrei.
Im 14. Jahrhundert (1345) verkaufen die Herren von Hohenlohe die Hochgerichtsbarkeit (Aburteilung von Kapitalverbrechen), alle ihre Rechte einschließlich der Vogteirechte (Niedergerichtsbarkeit) und ihren gesamten Besitz in Allersheim, Ingolstadt und Sulzdorf an das Fürstbistum Würzburg.

Ingolstadt und das Geschlecht der Geyer von Giebelstadt

Im 14. Jahrhundert gelingt es dem Geschlecht der Geyer von Giebelstadt, weit über die Hälfte des Dorfes Ingolstadt als Eigentum zu erwerben oder als Lehen übertragen zu bekommen. Selbst der Kirchenzehnt zu Ingolstadt gehört zu einem Drittel der Familie Geyer von Giebelstadt.
Der Niedergang des Klosters Tückelhausen im 14. Jahrhundert erzwang Besitzveräußerungen, führte (1351) zu einer tiefgreifenden Reform des Klosters und seiner Umwandlung in ein Kartäuserkloster. Aus wirtschaftlichen Gründen veräußerte das Kloster Tückelhausen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein Hofgut zu Ingolstadt an das Kloster Oberzell, das zur Mitte des 14. Jahrhunderts von dem in Ingolstadt sitzenden Rittergeschlecht der Geyer von Giebelstadt erworben wird. Dieser Hof ist Geyer`sches Eigentum, das sie nicht als Lehen sondern als "frei eigen" besitzen. Diesen Hof tragen sie später den Markgrafen von Ansbach zu Lehen auf.
Der Weg des Geschlechtes der Geyer von Giebelstadt war aber nicht ein stetiger Aufstieg. Im 14. Jahrhundert mußten Zweige der Familie auch Rückschläge erleiden. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden drei geyersche Höfe zu Ingolstadt verkauft, zwei an das Bürgerspital in Würzburg und einer wieder an das wirtschaftlich genesene Kloster zu Tückelhausen.
Nicht im Besitz des Geschlechts der Geyer von Giebelstadt waren nur zwei Fünftel des Dorfes, der Johanniterhof, der Tückelhäuserhof, die beiden Höfe des Bürgerspitales zu Würzburg und der Zobelsche Besitz, der im 15. Jahrhundert durch die Zobel von Giebelstadt aus dem Besitz der Geyer von Giebelstadt erworben wurde.
Die Grafen von Rieneck hatten in Ingolstadt nachweislich Besitz, der ein Lehen der Fürstbischöfe von Mainz war und der möglicherweise noch auf die königliche Schenkung von 908 zurückgeht. Den Rienecker oder Mainzer Hof trugen die Geyer von Giebelstadt von den Grafen von Rieneck zu Lehen. Im 15. Jahrhundert gehörte der Hof je zur Hälfte dem Hans Geyer von Heidingsfeld und dem Bürgerspital. Hans Geyer verkauft 1491 seine Hofhälfte an Wilhelm Zobel von Giebelstadt, dessen Besitz innerhalb der Familie Zobel jahrzehntelang umstritten war. Mit Aussterben der Grafen von Rieneck (1559) fiel der Hof an das Erzbistum Mainz zurück. Der Mainzer oder Rienecker Hof verblieb als Mainzer Lehen im Besitz der Familie Zobel von Giebelstadt bis zur Säkularisation.
Zur Mitte des 14. Jahrhunderts treffen wir mit Walter Geyer von Ingolstadt und Hans Geyer von Ingolstadt die ersten Angehörigen jenes Geschlechtes, das über einen Zeitraum von mehr als 350 Jahren unmittelbar und für weitere 100 Jahre mittelbar durch ihre Besitznachfolger die Geschicke des Gaudorfes Ingolstadt prägte.
Die Geyer besaßen für ihren Teil des Dorfes die Vogteirechte (die niedere Gerichtsbarkeit), hatten zwei Fünftel des Dorfes in Besitz und nahmen als Mitbesitzer des Zehnts großen Einfluß auf die Maßnahmen des Patronatsherr von Ingolstadt, des Fürstbischofs von Würzburg. Bis zum Aussterben der geyerschen Seitenlinie "von Ingolstadt" im Jahre 1601 mit Konrad Geyer, dem "alten" Geyer von Giebelstadt zu Ingolstadt, nutzte das Geschlecht die Kirche zu Ingolstadt als Grablege.
Konrad Geyer starb am 1. Nov. 1601 in Ingolstadt im gesegneten Alter von 80 Jahren. Sein Epitaph ziert die Ostseite des Sakristeianbaues der Ingolstadter Pfarrkirche. Er war für seine herausragende Tatkraft, Durchsetzungsfähigkeit und Rechtschaffenheit bekannt und anerkannt. 1562 wurde Konrad Geyer von seinen Ritterkollegen des Kantons Odenwald zum Einnehmer der ritterschaftlichen Kantonssteuer und Truhenmeister des Kantons gewählt und behielt dieses Amt bis ins hohe Alter. Sein Besitznachfolger und Erbe, Philipp Geyer, nannte sich "von Giebelstadt zu Reinsbronn", da er nach dem Erwerb Dörfer Reinsbronn und Neunkirchen den Hauptsitz des Geschlechts der Geyer von Giebelstadt nach Reinsbronn" verlegte. Philipp versuchte im geyerschen Teil Ingolstadts 1601 die Reformation einzuführen. Dies gelang ihm nur im Bereich des geyer´schen Eigenbesitzes, den sie den Markgrafen von Ansbach zu Lehen aufgetragen hatten. Diese Geyerschen Untertanen in Ingolstadt blieben protestantisch und wurden vom kath. Pfarrer zu Ingolstadt seelsorgerisch betreut, bis sie 1832 nach Herchsheim eingepfarrt wurden.

Ingolstadt unter der Herrschaft Preußens und der Markgrafen von Ansbach

Das Geschlecht der Geyer von Giebelstadt wurde 1685 in den Reichsgrafenstand erhoben und starb 1708 mit Heinrich Wolfgang Graf Geyer von Giebelstadt zu Goldbach aus. Mit dem Aussterben des Geschlechts kam der geyersche Teil Ingolstadts unter preußische Herrschaft.
Graf Heinrich Wolfgang hatte 1696 und 1704 mit dem Kurfürsten (ab 1701 König) von Preußen einen Schutz- und Nachfolgevertrag geschlossen. Nach dem Tod des letzten Geyer von Giebelstadt fiel der gesamte Geyersche Besitz in Ingolstadt an das Königreich Preußen. König Friedrich Wilhelm I. schenkte 1729 diesen Besitz der Prinzessin Friedericke Luise von Preußen zu ihrer Hochzeit mit dem Markgrafen Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Der Besitz wurde vom Verwaltungsamt Reinsbronn und ab 1750 vom Oberamt Creglingen aus regiert. Durch Herrschaftsverzicht des letzten Markgrafen, Christian Friedrich Karl Alexander, fiel der vormals Geyersche Besitz in Ingolstadt an den König Friedrich Wilhelm II. von Preußen.

Die politischen Verhältnisse in Ingolstadt seit dem Ende des Alten Reiches

Während der napoleonischen Zeit (1803) trat Preußen seine Kondominalrechte (Mitherrschaftsrechte) in Giebelstadt, Ingolstadt und Goßmannsdorf an das Königreich Bayern ab. Diese Gebiete wurden 1806 dem Großherzogtum Würzburg und nach dessen Auflösung (1814) endgültig dem Königreich Bayern zugeschlagen. Mit der Auflösung des Fürstbistums Würzburg teilten auch die bisher würzburgischen Teile Ingolstadts dieses Schicksal. Ingolstadt gehörte zu dem 1804 gebildeten Landgericht und Rentamt Würzburg jenseits des Mains, wurde 1862 dem Bezirksamt Ochsenfurt zugeteilt und kam 1972 bei Auflösung des Landkreises Ochsenfurt wiederum zum Landkreis Würzburg. Am 1. Mai 1978 wurde das Dorf Ingolstadt der Marktgemeinde Giebelstadt eingemeindet.



Die Pfarrkirche St. Marien zu Ingolstadt , ein Werk Balthasar Neumanns -
Grablegekirche der Geyer von Giebelstadt zu Ingolstadt mit einem Rokoko-Hochaltar von Johann Georg Auwera .

Majestätisch zurückhaltend prägt der Kirchturm der St. Marien-Kirche zu Ingolstadt die Silhouette des Kirchdorfes. Der Turm der von Balthasar Neumann (1751 - 1753) erbauten Landkirche trägt mit seinem eingeschnürten Zwiebelhelm ein untrügliches Kennzeichen der Barockzeit. In nur zweijähriger Bauzeit wurde im Pfarrdorf Ingolstadt eine neue Dorfkirche fertiggestellt und 1753 eingeweiht. Sie war über den Fundamenten mehrerer Vorgängerkirchen errichtet worden, die über Jahrhunderte dem ortsansässigen, fränkischen Eigenkirchenherrn, dem Adelsgeschlecht "von Ingolstadt", und ab dem 14. Jahrhundert dem Geschlecht der "Geyer von Giebelstadt zu Ingolstadt" als Grablege gedient hatten. Hiervon künden drei beachtenswerte Epitaphe und der Taufstein aus dem Jahre 1592 in der Kirche. 1601 starb der Ingolstadter Zweig der Geyer von Giebelstadt mit Konrad Geyer aus. Das Pfarrdorf fiel an die Giebelstadter Geyer-Linie zurück, die bereits einige Jahre zuvor protestantisch geworden war.
Die Geyer von Giebelstadt, die sich mit dem Fürstbischof von Würzburg und dem Ortspfarrer den Kirchenzehnt teilten, benötigten die Grablegekirche Ingolstadt nun nicht mehr. Die Kirche verkam und wurde baufällig.
Auffällig ist in dieser Lage, daß für den Kirchenneubau in Ingolstadt von 1751 - 1753 kein geringerer als der berühmte und sicher nicht billige Baumeister Balthasar Neumann als Architekt und Bauleiter gewonnen werden konnte.1753, im Todesjahr Balthasar Neumanns, wurde die Dorfkirche zu Ingolstadt eingeweiht.
Balthasar Neumann (1687 - 1753), der große fränkische Architekt schuf großartige weltliche Prachtbauten, wie z.B. die Residenz zu Würzburg und das Bruchsaler Schloß. Seine Kunst bewundern wir in seinen prächtigen Großkirchen, wie z.B. Vierzehnheiligen und Klosterkirche Neresheim. Er fasziniert uns als Stadtbaumeister in den Bischofsstädten Würzburg und Bamberg. Seine Genialität als Baumeister und Architekt zeigt sich aber wohl am deutlichsten in den zahlreichen kleinen Landkirchen. Die ca. siebzig Balthasar Neumannn`schen Landkirchen in den Hochstiften Würzburg und Bamberg sind für sein Schaffen besonders charakteristisch und stellen auch zahlenmäßig den größten Teil seines Lebenswerkes dar.
Die Landkirche St. Marien in Ingolstadt ist wohl eines der letzten Werke des "reifen" Barockbaumeisters. Sie weist alle typische Stil-Merkmale der Balthasar Neumannn`schen "Landkirchen" auf. Sie ist wie viele seiner Landkirchen eine "billige" Kleinkirche, die aber gerade durch ihre schlichte, genial einfache, kühne, streng mathematische Konstruktion einzigartig sind. Gezügelte Phantasie und mutige Ideen, verbunden mit einer soliden, technisch vollkommenen und meisterhaften Ausführung, verleihen diesen Dorfkirchen ihre faszinierende Eleganz.

Besondere Verdienste um den Kirchenneubau erwarb sich Pfr. Johannes Michael Heneke, der zu dieser Zeit Pfarrer zu Ingolstadt war. Ihm gelang es, den sicher nicht billigen, weit über Süddeutschland hinaus bekannten und berühmten Barockbaumeister als Architekten und Bauleiter zu gewinnen. Pfarrer Henekes Grabstein steht noch heute in der Pfarrkirche zu Ingolstadt.
Die Balthasaar Neumann`sche Landkirche zu Ingolstadt ist auf den ersten Blick geprägt von der leicht klassizistisch anmutenden Ein-Turm-Fassade und einem barocken "Zwiebel-Turm-Helm. Ihre dezenten, betont leicht kurvig geführten Lisenen und Gesimse scheinen die Kirche in drei Stockwerke zu gliedern. Die nach innen abgerundeten Ecken und die zurückschwingenden Seitenflügel geben der Fassade ein weiches, angenehmes Aussehen. Der leicht vorspringende Turm liegt in der Mittelachse und ein geringer Teil davon ist in die Fassade einbezogen.
Auf die Kirche als vormalige Grablegekirche der Geyer von Giebelstadt zu Ingolstadt deuten der Taufstein aus dem Jahre 1592 und die drei Geyer-Epitaphe hin.
Der aus grünem Sandstein gehauene, 112 cm hohe Taufstein steht auf einer quadratischen Sockelplatte und die runde Schale ruht auf einem achtseitigen Schaft mit Schaftring. Die Wappen der Familien Geyer und Sternberg und die Inschrift "1592" weisen Konrad Geyer von Giebelstadt zu Ingolstadt (+1601)und seine erste Gemahlin Margaretha von Sternberg als Stifter aus.
Das stark beschädigte, 69 x 95 cm große Grabplattenfragment aus grünem Sandstein unter dem Emporenaufgang läßt sich heute anhand der Inschrift gerade noch der Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Schönau bei Gemünden zuordnen. Erkennbar sind die Jahreszahl 1567 in der Inschrift, der Ansatz von zwei Wappen oben rechts und links und die Krümme des Äbtissinnenstabes.
Im Chor auf der Evangelienseite steht der anmutige Epitaph der Anna Geyer aus dem Jahre 1570. Die verstorbene "Geierin" kniet nach rechts im Halbprofil unter dem Kreuz und unter dem halbrunden Auszug mit der Halbfigur Gottvaters. Seitlich sind wie um die Mitte des 16. Jahrhunderts üblich je vier Wappen, die auf die Vorfahren der Familie der Verstorben und der ihres Gatten hinweisen. Die Inschrift lautet: "O her dir leb ich dir sterb ich dei(n) / bi(n) ich dott vund lenbendich. - An(n)o D(omi)ni 1570 de(n) 17 Octobr(is) / verschid die Edell vnd duge(n)tsa(m) / Fraw An(n)a geieri(n) geborene / Spesserti(n) der Seell G(ott) G(nad) A(men)".
Eine Fundgrube für die genealogische Forschung ist der dritte Geyer-Epitaph, der uns die Sterbedaten des Konrad Geyer von Giebelstadt zu Ingolstadt, verstorben im Alter von 80 Jahren am 1. November 1601, und seiner Ehefrauen, Margarethe von Sternberg, verstorben am 20. Mai 1586, und Anna von Abenberg, verstorben am 15. Dezember 1602, mitteilt und mit je acht Wappen Auskunft über die Vorfahren der Verstorbenen gibt. Der 350 cm hohe Epitaph aus grünem Sandstein ist eine gute Steinmetzarbeit und zeigt die Verstorbenen vor einer Stichbogennische unter dem Kruzifxus. Seine weiteren Inschriften ermahnen den Betrachter zu kurzer Besinnung und zum Gebet für die Verstorbenen:
"VENITE AD ME OMNES QUI LABORATIS ET ONERATI ESTIS ET EGO REFICIAM VOS (deutsch: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken) - Sterben wir mit so werden wir leben, dulden wir so werden wir mit herrschen [2 Tim 2, 11f]".

Der Hochaltar von Johann Georg Auwera aus Aub

Von herausragender kunsthistorischer Bedeutung in der Ingolstadter Kirche sind die Arbeiten des Auber Künstlers, das 1768 geschaffene, schlichte Kreuz mit ausdruckstarkem, nach rechts gedrehtem Haupt des Kruzifixus an der evangelienseitigen Wand des Langhauses und der Chor und Kirche beherrschende Rokoko-Hochaltar. Im Zentrum des marmorierten, baldachinartigen Altaraufbaus mit Pilastern und seitlichen Durchgängen und im Licht der beiden großen Chorfenster steht die gefaßte und vergoldete Holzskulptur der Immaculata, über dem Tabernakel und unter der Dreifaltigkeit im Auszug. Alle Altarfiguren sind in Polierweißfassung, alle Ornamente und Attribute, der Mantel Mariens, Gewandsäume, Flügel und Tücher der Engel sind vergoldet.



Peter Wamsler M.A.
Archiv- und Heimatpfleger in
Giebelstadt von 2000 - 2011


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