Quick-Navigator:
Suche:
Markt Giebelstadt

Das aktuelle Wetter von www.wetteronline.de

Sie sind hier: Startseite & Aktuelles » Herchsheim 700 n. Chr. 

Herchsheim 700 n. Chr.



Erste urkundliche Erwähnung Herchsheims
um 779 n. Chr.
Der Ochsenfurter Gau ist nach den Bodenfunden seit wenigstens 4000 Jahren durchgehend besiedelt. Ein ausgedehntes Hügelgräberfelder auf der Herchsheimer Markung nördlich der Ortschaft weist darauf hin, daß es vor Christi Geburt bereits große, keltische Siedlungen gab. Herchsheim war wohl eine vormals alemannische, möglicherweise später dem Königshof (Gaukönigshofen) zugeordnete Siedlung, die bis zum Ende des 6. Jahrhunderts in die Herrschaftsstruktur Ostfrankens eingegliedert und christianisiert war. Die Ortsnamenforschung datiert Gründung oder Umbenennung des Dorfes in die Zeit der fränkischen Eroberung ins 6. Jahrhundert und führt den Ortsnamen auf den recht häufigen fränkischen Namen "Heriger" zurück. Der Ortsname Herchsheim ist als "Heringesheim" erstmals, in der ca. 1160 entstandenen Besitzgeschichte des Klosters Fulda zu finden. Demnach schenkte zwischen 750 und 779 n. Chr. Graf Cuniprecht, begütert in altfränkischem Gebiet in Rheinhessen, im "thüringischen" Main-Gebiet und vor allem aber im "alemannischen" Raum um Waiblingen, das Dorf Herchsheim dem Kloster Fulda. Seine Schenkung erfolgte möglicherweise auf politischen Druck durch Karl d. Gr. oder aufgrund der religiösen Anregung zur Dotierung von Kirchen durch Papst Zacharias (741-752). Herchsheim zählt jedenfalls zu den ältesten Dörfern im Ochsenfurter Gau.

Streifzug durch die Besitz- und Herrschaftsgeschichte

Wer nach der Schenkung des Grafen Cuniprecht Kirche (Eigenkirchenherr) und Dorf (Gerichtsrechte und Grundbesitz) zu Herchsheim vom Abt zu Fulda zu Lehen trug oder wer Besitznachfolger Cuniprechts war, ist über einen Zeitraum von 300 Jahren bis ins 12. Jahrhundert nicht zu belegen.
Im 12. Jahrhundert und in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts haben (1130) die Herren von Endsee, das Geschlecht der Staufer und wiederum (1234) die Herren von Endsee die Vogteirechte in Herchsheim. Im 12. Jahrhundert umfaßten die "Vogteirechte (ius advocatiae)" die Gerichtshoheit über Kapitalverbrechen, die niedere Gerichtsbarkeit und wohl auch das Zehnt- und Patronatsrecht, das wohl zu dieser Zeit nicht mehr vom Kloster Fulda, sondern vom Hochstift Würzburg zu Lehen ging.
Die Gerichtsrechte besitzen danach, spätestens ab 1265 die Herren von Hohenlohe, die damit 1356 die Zobel von Giebelstadt und das Geschlecht der Schweiger gemeinsam und ab 1377 die Zobel allein belehnen. Als 1412 die Linie Hohenlohe-Speckfeld im männlichen Stamm ausstirbt, fällt der hohenlohische Besitz an die Erbtöchter / Schwiegersöhne, an die Schenken von Limpurg und die Grafen von Castell. Das Geschlecht der Zobel trägt ab 1413 das Hohenlohische Erbe der Grafen von Castell, 4 ½ Höfe an Grundbesitz und die Vogteirechte über das gesamte Dorf Herchsheim, bis zur Säkularisation in napoleonischer Zeit (am Anfang des 19. Jahrhundert) zu Lehen. Die Hoch- oder Blutgerichtsbarkeit (Centgerichtsbarkeit) in Herchsheim war zwischen der Familie Zobel und den Bischöfen von Würzburg immer wieder umstrittenen, wurde aber den Zobel von Giebelstadt vom kaiserlichen Kammergericht letztendlich zugesprochen.
Zehntherr war wohl seit der Mitte des 8. Jahrhunderts durchgehend der Bischof von Würzburg, dem die Könige Pippin und Karlmann (742) in allen 17 Gauen Ostfrankens den Zehnt schenkten. Er ging meist zu 1/3 an den Pfarrer und zu 2/3 an den Patronatsherrn und stellte den wesentlichen Teil des Lebensunterhaltes der Pfarrer dar, bis er 1848 kapitalisiert und abgelöst wurde. Zehnt wurde wie Lehen und Eigentum behandelt. Im 14. Jahrhundert trugen Angehörige des Würzburger Stadtpatriziats und das Geschlecht der Grumbacher den Groß- und Kleinzehnt und den Wachszehnt in Herchsheim vom Domstift zu Lehen, bis zur Mitte des Jahrhunderts die Zobel von Giebelstadt Zehntherrn wurden.
Im 12. Jahrhundert haben das Domstift und von diesem (1171) Stift Neumünster und vor allem Stift Haug in Herchsheim Grundbesitz. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts haben neben Stift Haug die Grafen von Rieneck erheblichen Besitz in Herchsheim, den das Ministerialengeschlecht der Wolfskeel von Reichenberg und nach ihnen die Zobel von Giebelstadt zu Lehen tragen. Im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts erwerben verschiedene Klöster und Stifte von den Herren von Hohenlohe und von einigen Geschlechtern des Stadtpatriziats zu Würzburg und Heidingsfeld Grundbesitz in Herchsheim. Es kaufen 1272 Kloster St. Michael in Bamberg 4 ½ Mansen, 1293 Kloster Ebrach, 1294 Kloster Schäftersheim und 1299 das Franziskanerinnenkloster St. Agnes in Würzburg je einen Hof in Herchsheim. Als 1311 die Geschlechter der Zobel und Geyer in Giebelstadt eine Seelsorgstelle dotieren, haben neben anderen die Grafen von Rieneck in Herchsheim Grundbesitz und (bis 1383) auch das Patronatsrecht. Als zur Mitte des 14. Jahrhunderts die Territorialherren überall ihren Besitz kon-zentrieren, verlagern die Herren von Hohenlohe ihren Besitzschwerpunkt nach Süden ins "Hohenloher Land" und veräußern deshalb 1345 die Masse ihres Besitzes in Ingolstadt, Allersheim und Sulzdorf. Die beiden Seen zwischen Allersheim und Herchsheim, die Hohenlohe noch 1391 an den Fürstbischof von Würzburg verpfändet, und ein Hof, den 1362 Dietrich und Konrad Geyer von Giebelstadt zu Lehen tragen, bleiben jedoch vom Verkauf ausgenommen. Das Geschlecht der Gebsattel in Acholshausen verkauft einen Hof in Herchsheim 1336 ans Kloster Ebrach und 150 Jahre später (1486) an Kloster Oberzell auch ihren zweiten Hof. 1345 trägt der Ritter von Gattenhofen einen Hof des Domstifts in Herchsheim zu Lehen.
Diese Besitzverteilung bleibt von geringfügigen Veränderungen abgesehen bis 1806 gleich, als im Zuge der Säkularisation der Grundbesitz von sieben Höfen zu Herchsheim, die im Besitz von geistlichen Institutionen waren, an den bayerischen Staat fiel. Fünf große Bauernhöfe und sieben kleine bäuerliche Anwesen, vormalige Castell`sche Lehen, waren 1806 im Besitz der Zobel von Giebelstadt. Die Montgelas`sche Gerichts- und Verwaltungsstruktur umfaßt Herchsheim zunächst nicht. Herchsheim verbleibt unter der Herrschaft der Zobel von Giebelstadt(Patrimonialgericht Giebelstadt), bis es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Bezirksamt und Amtsgericht Ochsenfurt zugeteilt wird.
Zum 1.1.1978 wird Herchsheim in die Marktgemeinde Giebelstadt eingegliedert.

Anfänge der Pfarrei und Hinweise auf die erste Kirche

Herchsheim zählt zu den ältesten Dörfern im Gau und hatte als Mutterkirche von Giebelstadt wohl bereits im 7. Jahrhundert eine Pfarrkirche und unterstand politisch und kirchlich dem Kloster Fulda, auch wenn Kirchen in Giebelstadt und Herchsheim "erst" um 1311 urkundlich belegt sind. Die Patronatsherrschaft, einst im Besitz des Klosters Fulda und der Grafen von Rieneck, war seit 1383 in den Händen der Familie Zobel von Giebelstadt. Die Pfarrkirche St. Georg in Herchsheim ist daher eine der Grablegekirchen der Zobel von Giebelstadt. Die Kirchen- und Pfarreigeschichte Herchsheims und Giebelstadts sind eng miteinander und mit der Geschichte des Geschlechtes der Zobel von Giebelstadt verflochten. Unter der zobel´schen Patronatsherrschaft wurde 1601 in Giebelstadt und Herchsheim die Reformation eingeführt. Das Geschlecht der Zobel wurde 1696 wiederum katholisch. Die Familie Zobel übte die letztlich auf die Mitsprache bei der Besetzung der Pfarrstelle reduzierten, patronatsherrschaftlichen Rechte bis ins 20. Jahrhundert aus.
Die schriftlichen Quellen, die Auswertung der politische Geschichte, die Ortsnamenforschung und die Patroziniumsforschung führen unabhängig von einander zu dem Ergebnis, daß im frühen 8. Jahrhundert in Herchsheim die erste Kirche errichtet wurde.

Beschreibung der Pfarrkirche St. Georg in Herchsheim

Der trutzige Wehrturm und die schwere Kuppel, einem massigen Helm mit aufgesetzter Laterne gleich, gibt der Silhouette des Dorfes Herchsheim sein unverwechselbares Gepräge. Diese nachgotische, typische Chorturmkirche war aber sicher kein Neubau, wie uns die Bauinschrift mit zwei quadrierten Wappen über dem Portal des Westgiebels unter Hinweis auf die Bauherrn, die Brüder Hans Georg und Hans Ernst Zobel von Giebelstadt, glauben machen will. 1613 wurde wohl unter Leitung von Michael Juncker ein Um- und Erweiterungsbau der "alten" Wehrkirche, einer romanischen Pfarrkirche mit einem Zentralturm über dem Altarraum, ausgeführt. Sie weist die typischen, stark gotischen Stilelemente auf, die Kirchen der späten Renaissancezeit, häufig irreführend als "Echterstil" bezeichnet, prägen. Den zahlreichen Spätrenaissancekirchen des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert sind hohe, helle Räume gemeinsam, die einem freien Blick auf das Geschehen am Altar ermöglichen. Auch in Herchsheim wurde wohl das unterste Stockwerk des alten, trutzigen Wehrturmes für den Chor erheblich erhöht und ein neuer Triumphbogen eingefügt. Der Turm wurde danach neu in drei höhere, durch Gesimse gegliederte Geschosse eingeteilt. Er wurde um ein Stockwerk, den Glockenstuhl, erhöht. Seine rundbogigen Schallfenster und die Kirchturmspitze, eine wuchtige, achtseitige Kuppel, sind die weithin sichtbaren Kennzeichen der Pfarrkirche Herchsheim, wohl im betonten Gegensatz zu den in unserer Gegend typischen, spitzen "Echtertürmen" gestaltet. Mit Fensterdurchbrüchen durch die dicken Mauern des Turmuntergeschosses und den Einbau der Maßwerkfenster schuf Baumeister Juncker einen hohen, hel-len Chorraum. Er verzierte ihn mit einem gotischen Kreuzrippengewölbe, dessen doppelgekehlte, feine und schlanke Rippen auf Konsolen mit Wappenschildern (Tartschen) ruhen. Der Umbau raubte dem alten Wehrturm seine Verteidigungsfähigkeit, allerdings erst zu einer Zeit, als er durch die fortgeschrittene Waffenentwicklung seine Bedeutung für die Verteidigung verloren hatte. Die zwei Fensterfluchten des Langhauses unterstreichen die zeitgleiche Erhöhung der Seitenwände und Giebel des nachgotischen Kirchenschiffes. Beim Um- und Erweiterungsbau 1613 wurden die gotischen, zweiteiligen Fenster mit Fischblasenmaßwerk und im Westgiebel ein markantes gotisches Portal eingebaut. Michael Juncker schuf - wohl in Übereinstimmung mit dem geistlichen und weltlichen Landesherrn - einen nüchternen, wenig aufwendigen, zweckmäßigen Kirchenbau, der auf seelsorgliches Pflichtbewußtsein und wohl auch wirtschaftliche Beweggründe des Bauherrn hinweist, der aber noch nicht von der künstlerischen Großartigkeit und der Bau- und Selbstdarstellungssucht späterer, barocker Bauherrn geprägt ist. Im 18. Jahrhundert wenig verändert, erlebte die Herchsheimer Pfarrkirche in der Mitte des 19. Jahrhundert jedoch tiefgreifende Baumaßnahmen, als der baufällige Turm renoviert werden mußte. Bei der Sanierung des Turmes gingen wohl auch die Wappen auf den Konsolen zu Bruch und wurden - bis auf das leicht verfälschte Steinmetzzeichen Michael Junckers - nicht mehr restauriert. Durch diese Baumaßnahmen stürzten auch Teile der Außenmauern des Langhauses ein und mußten wieder errichtet werden. "Anno 1961 wurde von Altar, Kanzel und Empore die Übermalung entfernt und die Originalfassung von der Firma A. Fuchs, Würzburg wieder hergestellt", wie eine Inschrift an der Schmalseite des Retabel berichtet.


Die Innenausstattung St. Georgskirche in Herchsheim

Die Innenausstattung der St. Georgskirche in Herchsheim - wie auch der ev. Kirche in Giebelstadt - ist von besonderem kunsthistorischen Wert, weil sie zwei herausragende Beispiele der Altar-, Kanzel- und Epitaphbaukunst der späten fränkischen Renaissance sind, die als Gesamtensemble in evangelischen Gotteshäusern selten und im katholischen Bereich nur in Breitensee und Büchold den "Bildersturm", den selbstherrlichen künstlerischen Zeitgeschmack von Barock, Neoromanik und Neugotik überdauert haben. Altäre und Kanzeln in Giebelstadt und Herchsheim und der Wandepitaph in Giebelstadt sind Werke der Bad Windsheimer Renaissancekünstlerfamilie Brenck. Georg Brenck d.Ä. (* 1564; + 1635, Aug. 23) und sein gleichnamiger Sohn (* 1593; + 1631) schufen charakteristische Altäre, Kanzeln und Epitaphe der Renaissancezeit und des frühen Barock. Engelsköpfe, Vasen, Kartuschen, Zierobelisken und Ohrenvoluten, das dekorative, für die Brenck`sche Werkstatt typische Bei-werk, ist auch an ihren hiesigen Werken zu finden. Die Künstlerfamilie arbeitete im Raum Windsheim, Würzburg und Ansbach für evangelische und katholische Bauherrn und ihre Werke tragen bei gleichem, unverwechselbarem Grundschema den theologischen Wünschen der Bauherrn Rechnung. Als am Anfang des 17. Jahrhunderts die Innenausstattung beider Kirchen entstand, befanden sich die Konfessionen in einer Phase der Selbstfindung. Es war die Zeit der Reformation und Gegenreformation. Beide Konfessionen suchten nach ihrem Selbstverständnis und grenzten sich deshalb strikt gegeneinander ab. Mariendarstellungen und Figuren der Kirchenheiligen, die zur Ausstattung der "katholischen" Brenck-Altäre in Och-senfurt und Frickenhausen gehören, kommen in Giebelstadt und Herchsheim nicht vor. Die Bildfolge ist ausschließlich christusbezogen, d.h. "betont evangelisch" und soll Zeugnis von der neuen "reinen" Lehre, vom Leben und der Passion Christi ohne jegliches "menschliches" Beiwerk ablegen. Die Innenausstattung "evangelischer Gotteshäuser" der späten Renaissance ist schlicht und nüchtern. Sie beschränkt sich auf Altar, Kanzel, Orgel, Empore, Taufstein und einige Epitaphe. Die Bilder Luthers und Melanchtons in der Kirche zu Herchsheim sind keine "Kultbilder", sondern betontes Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmal gegenüber katholischen Kirchen.
Die Innenausstattung der Kirche in Herchsheim (und auch in Giebelstadt) wurde im Auftrag der Kirchen- und Patronatsherrn, deren Wappen Altäre und Taufsteine beider Kirchen ziert, im zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts geschaffen
Der 1613 entstandene, zweigeschossige Retabelaltar der St. Georgskirche in Herchsheim ruht auf einer schlichten Steinmensa und ist dem Giebelstadter Altar in Aufbau und Gliederung ähnlich. Er ist dennoch aber kein bloßer Nachbau und stellt gerade wegen seines unterschied-lichen figürlichen Schmuckes ein eigenständiges Kunstwerk dar. Beim Betreten der Herchsheimer Kirche ziehen Altar und Kanzel, die Werke Georg Brencks d.Ä., spontan die ganze Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich. Mit seinem reich gegliederten, mächtig wirkenden Aufbau füllt der Altar den quadratischen Chorraum und ragt hoch empor in die Spitze des schlanken gotischen Kreuzrippengewölbes.
Der augenfälligste Unterschied zu Giebelstadt ist das für protestantische Altäre typische Altarbild in der Predella des Retabelaltars, das die Einsetzung des Altarsakramentes, des Abendsmahls, darstellt. Christus sitzt mit seinen Jüngern um den Abendmahlstisch und segnet Wein und Brot. Nur Johannes zu seiner Rechten achtet auf den Meister. Alle andern Jünger zeigen große Erregung und diskutieren eifrig miteinander, weil sie soeben die Worte Jesu von Judas` Verrat und von der Verleugnung Petri vernommen haben. Petrus, nachdenklich für sich allein an der Tischvorderseite, hat seine Treue beteuernd die Hand auf die Brust gelegt. Judas, mit dem Geldbeutel in der Hand, ist im Begriffe wegzugehen. Im Hintergrund links ein Diener mit Krügen auf dem Weg in die Küche. Im Vordergrund ein Krug, eine Schüssel mit Wasserkrug und ein Korb mit Broten, Symbole des Weinwunders zu Kana, der vorangegangenen Fußwaschung und des Brotwunders.
Die Abendmahlsszene wird in der späten Gotik, in der Renaissancezeit und in der Brenck`schen Zeit nicht sehr häufig dargestellt. Mit der Wahl dieses Altarbildmotivs, nach dem Vorbild des niederländischen Meisters Marten de Vos geschaffen, weist Brenck bereits in die Barockzeit, wo das Abendmahlsbild im betonten Gegensatz zum katholischen Tabernakel in evangelischen Kirchen sehr oft in die "Tabernakelnische" gesetzt wird.

Die Brenck`sche Moseskanzel
Nach Einführung der Reformation (1601) wurden der Bedeutung der Wortverkündigung gemäß auch die beiden Kirchen zu Giebelstadt und Herchsheim mit Kanzeln ausgestattet, deren Figurensymbolik insgesamt auf die Wortverkündigung bezogenen ist.
Beide Kanzeln stammen aus der Werkstatt der Windsheimer Bildschnitzerfamilie Brenck und sind für Franken einzigartig. Sie gehören zum Kanzeltypus mit einfiguriger Stütze, der "Moseskanzel", die in Sachsen, in Sachsen-Anhalt und in Ost-Niedersachsen um Braun-schweig häufig vorkommt und die Georg Brenck d. Ä. dort während seiner Wanderjahre kennenlernte. Im architektonischen Aufbau und den figürlichen Darstellungen verbirgt sich die theologische Botschaft der Moseskanzel: Von diesem Ort aus werden Gottes Wort und seine Gebote verkündet, die der Herrgott einst Moses in der Wüste bekanntgab. Die Propheten des Alten Testamentes (AT) predigten Gottes Wort seinem auserwählten Volk. Aus der Feder der Evangelisten kam die Botschaft vom menschgewordenen Sohn Gottes im Neuen Testament (NT) auf uns. Aus dem Gesetz des AT heraus wächst die Frohbotschaft des NT.
Die ursprüngliche Farbigkeit dieser "interessanten Renaissancearbeiten" wurde im Rahmen der Kirchenrenovierung durch die Würzburger Firma Anton Fuchs in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder herausgearbeitet. Die großen Flächen wurden in einem grau-blauen Grundton gestrichen. Ein kräftig blaues Band betont die architektonischen Ränder und ebenfalls kräftig blau oder vergoldet sind die Zierleisten.
Die Herchsheimer Kanzel trägt unter der Matthäusfigur das Werkstattzeichen "Gb" für Ge-org Brenck und darunter die Jahreszahl 1614. Sie ist damit ein frühes Werk Georg Brencks d.Ä., der etwa zeitgleich auch in den Zobel`schen Patronatskirchen zu Giebelstadt und Dar-stadt in Aufbau und Ausstattung sehr ähnliche Kanzeln schuf. Den Kanzelbecher trägt "Moses mit der Gesetzestafel", der auf einem massiven Steinsockel steht. Über dem Kapitellstück, das auf dem Haupt der Mosesfigur aufliegt, ruht der Kanzelkorpus auf sechs Rippen, in Form von Engelsköpfen gestaltet. Unerschütterlich trägt Moses die Konsole und geflügelte Engel mit kindlichen Gesichtern, langem Lockenhaar und über der Brust gekreuzten Armen scheinen mitzuhelfen, die Last der Kanzel und die Last der Verkündigung des Wortes zu tragen. An den fünf Seiten des sechseckigen Kanzelbechers stehen im unteren Friesbereich in Rundbo-gennischen flachreliefierte Prophetenfiguren, die ursprünglich wohl durch Attribute und Beschriftung identifizierbar waren. Im Hauptfeld des Kanzelkorpus sitzen, durch kannelierte Säulen von einander getrennt und mit einander verbunden, in rahmenlos eingetieften Rundbogennischen: Lukas, Matthäus, der thronende Christus, Markus und Johannes.
In den Nischen sind zu beiden Seiten des Weltenlehrers Christus seine vier Helfer in der Wortverkündigung, die vier Evangelisten mit ihren Attributen oder Symbolen, dargestellt. Matthäus, der uns eindringlich die Worte Jesu bei der Bergpredigt mit den Seligpreisungen überliefert, ist mit dem Symbol des Engels dargestellt. Das Attribut des Evangelisten Markus, der seinen Bericht mit dem ersten öffentlichen Auftreten Jesu beginnt, ist der Löwe. Lukas, der die Bedeutung des heiligen Geistes in seinem Evangelium betont, das Kommen Jesu als Erfüllung der Verheißungen Gottes hervorhebt und aus dessen Feder auch die Apostelgeschichte stammt, ist der Stier als Sinnbild beigegeben. Der Adler kennzeichnet den Evangelisten Johannes, der uns im Prolog seines Evangeliums den Ursprung des Wortes Gottes erläutert und die Reden Jesu schildert, in denen der Mensch zu seiner schicksalhaften Entscheidung aufgerufen wird, aus der Heil oder Unheil erwächst. Die Symbole der Evangelisten, Löwe, Rind (Stier), Mensch und Adler, sind die "vier lebendigen Wesen vor dem Throne" Gottes, von denen in der Offenbarung des Johannes und beim Propheten Ezechiel (Hesekiel) berichtet wird. Es sind jene vier gewaltigen Wesen vor dem Thron Gottes, die als seine obersten Diener die göttliche Ordnung repräsentieren und Gottes Willen beim Jüngsten Gericht vollziehen.
Um das obere Fries zieht sich die geschnitzte Inschrift: NACH DEM GESETZ UND ZEIG-NIS WERDEN SIE DAS NICHT SAGEN, SO WERDEN SIE DIE MORGENRODE NICHT HABEN. ESAIAAN".
Die Bogenzwickel und auch die einfache Treppenanlage zieren die für die Brenck`sche Werkstatt typischen Engelsköpfe.

Der Taufstein im Herchsheimer Gotteshaus gehört zu den unverdienter Maßen wenig beachteten Kunstdenkmälern in unserer näheren Heimat, deren Kelch- oder Pokalform, ohne aufwendige Ornamentik und ohne figürlichen Schmuck, im unterfränkischen Raum in der nach-gotischen Zeit weit verbreitet ist. Ihre Schönheit liegt in den klaren, schlichten Formen und ausgewogenen Proportionen. Den Taufstein aus grünem Sandstein ziert das Wappen der Pa-tronatsherrn. Er wurde 1600 von dem Steinmetz Hans Rappolt aus Gaukönigshofen (* ca. 1570; + ca. 1640) gefertigt.
Die Blumenornamente und Malereien am Kirchengestühl und an der Emporenbrüstung der Herchsheimer der St. Georgskirche sind ein Kleinod besonderer Art, das Georg Dehio 1911 in seinem Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler bereits hervorhebt: "sehr hübsche Empo-renbemalung mit Blumenstücken aus der Mitte des 18. Jahrhunderts." Das Kirchengestühl zieren neben dem zobel`schen Wappen die Bibeldarstellungen: "Simsons Kampf mit dem Löwen" und "David und Goliath".
An der Nordseite des Langhauses steht das 4, 60 m hohe, sandsteinerne Grabmal des Johann Wilhelm Zobel von Giebelstadt (*1614, + 1695). Johann Wilhelm war kaiserlicher und reichskreisfränkischer Kürassieroberst und kur- und hochfürstlicher Amtmann zu Röttingen, hatte im Kampf gegen die "Türken", den Erzfeind der Christenheit, große Verdienste erworben und verstarb am 18. Juni 1695 "im Alter von 81 Jahren weniger 5 Tage". Nach den fünf Wappen des Epitaphs war Johann Wilhelm Zobel von Giebelstadt ein Sohn Hans Georg Zobels von Giebelstadt (heraldisch oberes, rechtes Wappen) und seiner Gemahlin Sabina Catharina von Bibra (oberes, linkes Wappen), die den Kirchenausbau in Herchsheim förderten. Er war somit ein Enkel des Heinrich Zobel von Giebelstadt und seiner Gemahlin Amalia Truchseßin, unter deren Patronatsherrschaft die Reformation eingeführt wurde (unteres, rechtes Wappen) und des Bernhard von Bibra und seiner Gemahlin Sibylla von Witzleben (unteres linkes Wappen). Das verhältnismäßig schlichte Grabmal lehnt sich stilistisch an das Andachtsbild des 16. Jahrhunderts (Renaissance) an, da es den Verstorbenen als Offizier in Uniform und mit Degen, vor dem Kruzifix zum Gebet kniend, zeigt. Die Inschrift erzählt uns vom Verstorbenen, nennt uns seine Lebendaten und streicht seine Ruhmestaten heraus. Das Grabmal des Johann Wilhelm Zobel von Giebelstadt ist ein Grabmal im Stil des 17. Jahrhunderts, ein Epitaph zum Ruhm des Verstorbenen und seiner Familie.

Peter Wamsler M.A.
Archiv- und Heimatpfleger in
Giebelstadt von 2000 - 2011


nach oben  nach oben
Markt Giebelstadt Marktplatz 3 97232 Giebelstadt Tel.: 09334 808-0 E-Mail: Kontakt
Markt Giebelstadt
Marktplatz 3 | 97232 Giebelstadt | Tel.: 09334 808-0 | info@giebelstadt.de
  OK  
Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung