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Sulzdorf 700 n. Chr.



Erste urkundliche Erwähnung Sulzdorfs im Jahr 1180

Die Anfänge des "alten" Gaudorfes Sulzdorf liegen im Dunkel. Der Ortsname Sulzdorf setzt sich aus der Endung "-dorf" und der geologischen Bezeichnung "Sulz" für ein feuchtes, sumpfiges Gebiet zusammen und dürfte somit auf eine Gründung in der Ausbauphase Ostfrankens im 9. und 10. Jahrhundert hindeuten. Unwahrscheinlich ist, daß der Ortsname auf einen Personennamen mit der angehängten Endung "-dorf" zurück zu führen ist. Er ist also damit auch nicht der jüngeren fränkischen Ortsnamenschicht zuzuordnen, die etwa mit der angelsächsischen Mission (750) und herrschaftlichen Organisation Ostfrankens zur Karolingerzeit (700 bis 850) zusammenfällt. Die Ortnamenforschung führt zu dem Ergebnis, daß Sulzdorf wohl nach 850 n. Chr., spätestens aber im 10. Jahrhundert gegründet wurde.
Die architektonischen Hinweise im Untergeschoß des Sulzdorfer Kirchturms belegen, daß dieser Turm im Kern ein Chorturm ist und wohl Teil einer romanischen Wehrkirchenanlage war, die ebenfalls wenigstens ins 12. Jahrhundert datiert werden kann. Als Ergebnis der Pa-trozinienforschung ist festzuhalten, daß die Sulzdorfer Dorfkirche bereits im 10. bzw. 11. Jahrhundert existiert hat (siehe unten).
Die erste urkundliche Erwähnung liegt im Jahr 1180. In diesem Jahr bestätigte der Würzbur-ger Bischof Reginhard von Abenberg (1171 - 1186) den Ankauf der Vogteirechte über Sulzdorf durch das Domkapitel zu Würzburg für die vergleichsweise stattliche Summe von 50 Pfund Silber und für den Grundbesitz von zwei Höfen in Sulzdorf. Zum Zeitpunkt der Beurkundung muß Sulzdorf, wenn der zur Urkunde führende Streit um das Vogteirecht überhaupt einen Sinn gehabt haben sollte, bereits ein lohnendes Objekt, d.h. eine ansehnliche und notwendiger Weise auch einige Generationen zuvor gegründete Siedlung mit einer Pfarrkirche gewesen sein, in der das Domstift bereits erheblichen, über die beiden verkauften Höfe hinausgehenden Grundbesitz hatte. Die Anfänge von Sulzdorf und der Bau der ersten Kirche liegen also sicher erheblich vor dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts.
Im 12. Jahrhundert umfaßten die "Vogteirechte (ius advocatiae)" die Gerichtshoheit über Kapitalverbrechen, die niedere Gerichtsbarkeit und wohl auch das Zehnt- und Patronatsrecht. Das Würzburger Domstift war damit Dorf- und Patronatsherr seit 1180 und blieb es bis zur Säkularisation. Zent-/Gerichtsherrschaft wurde von der Domstift`schen Stadt Ochsenfurt, u.a. durch das Stadtschultheißenamt wahrgenommen.
Bis zum14. Jahrhundert - spärlich sind die schriftlichen Quellen davor - hatten neben dem Domstift auch andere fränkische Adelsfamilien Grundbesitz, die nach und nach ihre Güter an kirchliche Institutionen verkauften. Bereits im 13. Jahrhundert ließ sich das Kloster Paradies in Heidingsfeld seine Güter in Sulzdorf vom Papst bestätigen. Im 14. Jahrhundert verkauften die Herren von Hohenlohe ihren Besitz in Sulzdorf zusammen mit Ingolstadt und Allersheim an die Domherrn Lupold von Bebenburg und Eberhard von Hirschhorn vom Würzburger Domstift. Zahlreiche Niederadelsfamilien, vermutlich Lehensnehmer der Herren von Hohenlohe, taten es ihnen gleich, so daß - neben dem Domstift und dem Kloster Paradies - das St. Agneskloster, Kloster St. Stephan, Kloster Oberzell, Stift Neumünster, Kloster Him-melspforten, das Karthäuserkloster Engelgarten, Kloster Bronnbach, Kloster Bildhausen und Heiligenthal, Stift St. Burkard, das Dietrichsspital, das Juliusspital, die Johanniterkommende und Stift Haug Besitz hatten. Auch St. Marx zu Würzburg besaß eine Gült in Sulzdorf.
Diese Rechtsverhältnisse blieben nahezu unverändert bis während der napoleonischen Zeit das Fürstbistum Würzburg aufgelöst wurde. 1806 wurden die Gebiete des vormaligen geistlichen Fürstentums für kurze Zeit dem Großherzogtum Würzburg und nach dessen Auflösung (1814) endgültig dem Königreich Bayern zugeschlagen. Der gesamte Klosterbesitz wurde säkularisiert und fiel an das Königreich Bayern. Sulzdorf mit seinen 280 Einwohnern gehörte zu dem 1804 gebildeten Landgericht und Rentamt "Würzburg jenseits des Mains", das ins-gesamt 11683 Einwohner zählte. Sulzdorf wurde zur Mitte des 19. Jahrhunderts dem Bezirk-samt Ochsenfurt, 1862 mit der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung dem Amtsgericht und Rentamt Ochsenfurt zugeteilt und kam 1972 bei Auflösung des Landkreises Ochsenfurt wiederum zum Landkreis Würzburg. Am 1. Mai 1978 wurde Sulzdorf der Marktgemeinde Giebelstadt eingegliedert.
Von Katastrophen und Kriegsschäden blieb auch Sulzdorf nicht verschont. Die Schäden während des Bauernkrieges waren sicher auch in Sulzdorf erheblich, sind aber urkundlich nicht zu fassen. Tiefe Spuren hinterließ jedoch der 30jährige Krieg und insbesondere das Pestjahr 1631, wovon der alte, leider verschwundene Pestbildstock und der ersatzweise, nach Fotovorlagen neu geschaffene Bildstock mit der Jahreszahl 1634 beredte Kunde gab und gibt. Schwere Schäden verursachten auch die französischen Truppen während des Pfälzischen Erbfolgekrieges, wofür das Domstift einen Schadensausgleich von 220 rhein. Gulden leisten mußte. Im zweiten Weltkrieg blieb Sulzdorf zwar von erheblichen Beschädigungen verschont, hatte aber eine schmerzlich hohe Zahl an Gefallenen und Vermißten zu beklagen.

Anfänge der Pfarrei und Hinweise auf die erste Kirche

Der Turm der St. Cyriakuskirche von Sulzdorf prägt im Nordwesten des Ochsenfurter Gaus weithin sichtbar die Silhouette des alten Kirchdorfes. Während die heutige Kirche nach ihrem äußeren Erscheinungsbild, insbesondere nach dem Turm mit seinem eingeschnürten Zwiebelhelm, einem untrüglichen Kennzeichen der Barockzeit, zeitlich verhältnismäßig gut einzuordnen ist, bereitet der Versuch, die Gründung der Pfarrei und die Errichtung der ersten Kirche zu datieren, beim alten Gaudorf Sulzdorf doch einige Schwierigkeiten.
Urkundliche Quellen zur Pfarreigeschichte vor 1180 fehlen. Aus der Auswertung der politischen Geschichte (siehe oben) ergibt sich aber, daß die Anfänge von Sulzdorf und der Bau der ersten Kirche erheblich vor dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts liegen. Das Patronat über die Pfarrei Sulzdorf kam mit dem Vogteirecht um 1180 ans Würzburger Domstift.
Die architektonischen Hinweise im Untergeschoß des Sulzdorfer Kirchturms belegen, daß dieser Turm im Kern ein Chorturm ist und Teil einer romanischen Wehrkirchenanlage war, die ebenfalls wenigstens ins 12. Jahrhundert datiert werden kann.
Diese Tatsache wird auch durch die Kirchengeschichtsforschung erhärtet. In Sonderheit die Patrozinienforschung zeigt eindeutig, daß aus der Wahl des Kirchenheiligen Rückschlüsse auf das Alter einer Kirche gezogen werden können, weil der Wechsel des Kirchenpatrons im Mittelalter ein äußerst seltener Vorgang war. Um die Auswahl und die Bedeutung des Kir-chenpatrons bis zum Ausgang des Mittelalters zu verstehen, muß man sich seiner germanischen Wurzeln bewußt sein. Die Germanen unterstellten sich im weltlichen Bereich dem Schutz und Schirm eines mächtigen Herrn, der sie selbst und ihr Hab und Gut vor Feinden schützen konnte und der vor Herzog oder König ihre Belange wirksam vertreten konnte. Diesem Herrn leisteten sie Gefolgschaft und waren ihm in Treue verbunden. Im kirchlichen Bereich spielt diese Rolle in der Vorstellungswelt der germanischen, fränkischen und deutschen Kirche bis zum Ausgang des Mittelalters der Kirchenpatron. Er war Herr des Kirchengutes, Beschützer der Gemeinde und ihr Fürsprecher vor Gottes Thron. Ihm war sie in Treue verbunden. Daraus nur wird verständlich, daß dem Wechsel des Kirchenpatrons ein ganz besonderer Anlaß zu Grunde liegen mußte. Dies geschah z. B., wenn sich der Kirchenheilige als "unfähig" erwiesen hatte und nicht verhindern konnte, daß "seine" Kirche von Feinden zerstört oder durch Brand vernichtet wurde.
Aus der Ablaßverleihung für die Pfarrkirche zum "hl. Märtyrer Cyriakus" im Jahre 1360 durch Papst Innocenz VI. (1352 - 1362) kennen wir den Kirchenheiligen in Sulzdorf. Die Cyriakus-Verehrung nördlich der Alpen hatte in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts einen Höhepunkt und fand unter dem Sachsenkaiser Otto I. (936 - 973) weite Verbreitung. Otto I. soll zusammen mit Papst Agapitus II. (946 - 955) die Gebeine des Heiligen von Ostia nach Rom in die einzige St. Cyriakuskirche Roms überführt haben. Eine weitere Förderung erfuhr der Kult des hl. Cyriak während des Investiturstreites im 11. Jahrhundert vor allem durch die Reformer aus dem Zisterzienserorden. Nach dem Kirchenpatron der Sulzdorfer Pfarrkirche dürfte die erste Kirche in Sulzdorf mit dem deutschen Kaisertum im Zusammenhang stehen und ins 10. oder 11. Jahrhundert zu datieren sein.
Ein solch wichtiges Ereignis, das in Sulzdorf nach dem mittelalterlichen Verständnis einen Patrozinienwechsel gerechtfertigt haben könnte, stellt die Schlacht bei Kitzingen vom 8. August 1266 dar, die als Cyriakusschlacht in die Geschichtsschreibung einging. Dieses für die Würzburger Bistumsgeschichte so bedeutungsvolle Ereignis könnte in dem Domkapiteli-schen Dorf Sulzdorf einen Kirchenpatronwechsel verursacht haben.
Die Patrozinienforschung belegt ferner, daß in der Regel auch bei "gerechtfertigtem" Patrozinienwechsel dem oder den ursprünglichen Kirchenheiligen lediglich ein anderer Hauptheiliger beigegeben wurde. Aus der Sulzdorfer Pfarreibeschreibung des Jahres 1627 wissen wir, daß der Hochaltar der Sulzdorfer Pfarrkirche neben oder nach dem hl. Cyriak den Heiligen Laurentius und Stephanus geweiht ist.
Die Verehrung des hl. Laurentius war im 10. Jahrhundert sehr weit verbreitet, weil am Laurentiustag (10.8.) des Jahres 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld unter Otto I. (936-973) der große Sieg über die Ungarn erfochten wurde, die zuvor jahrzehntelang die deutschen Lande heimgesucht, geplündert und gebrandschatzt hatten. Viele Menschen hatten bei den Ungarneinfällen den Tod gefunden. Durch diesen glorreichen Sieg hatte der hl. Laurentius seine Macht bewiesen und zahlreiche in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts erbaute Kirchen erhielten den mächtigen Heiligen als Patron.
Der hl. Erzmärtyrer Stephanus, der im (alt)bayerischen und schwäbischen Gebiet bereits im 7. und 8. Jahrhundert vermehrt als Kirchenpatron vorkommt, ist in "Ostfranken", dem heutigen Unter-, Mittel- und Oberfranken, im 11. Jahrhundert häufig als Patron nachzuweisen.
Bei den 1627 für die Sulzdorfer Kirche belegten weiteren Kirchenheiligen Laurentius und Stephanus könnte es sich also um die Vorgänger des hl. Cyriak als Kirchenpatrone handeln, denen 1266 aus besonderem Anlaß dieser Heilige beigegeben wurde.
Als Ergebnis der Patrozinienforschung ist daher festzuhalten, daß die Sulzdorfer Dorfkirche bereits im 10. bzw. 11. Jahrhundert existiert hat.
In der Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der politischen und Besitzgeschichte, aus der patroziniengeschichtlichen Betrachtung, aus den architektonischen Hinweisen und der Ortsnamensuntersuchung ist die Feststellung ausreichend belegt, daß Pfarreigründung und die Errichtung der ersten Pfarrkirche in Sulzdorf mit größter Wahrscheinlichkeit ins 10. oder 11. Jahrhundert datiert werden können.

Kurzbeschreibung der St. Cyriakuskirche zu Sulzdorf

Die dem hl. Märtyrer Cyriakus geweihte Pfarrkirche in Sulzdorf ist - wie auch Allersheim und die 1898 abgerissene Kirche in Eßfeld - eine nachgotische Kirche der Echterzeit mit einem Chorflankenturm und mit einem eingezogenen Chor. Diese Kirchen werden auch als "Chor-seitkirchen" bezeichnet, da beim Erweiterungsbau der Kirche zur Echterzeit das bisherige Langhaus der Chorturmkirche - ein gutes Beispiel für den architektonischen Aufbau einer Chorturmkirche ist die Pfarrkirche Herchsheim - nur nach einer Seite hin, seitlich versetzt zur Turmachse, verbreitert wurde. Dem neuen Langhaus wurde ein eingezogener, d.h. nicht die ganze Breite des Langhauses einnehmender Chor seitlich vom Turm vorgebaut. Da Chor und Turm sich nun flankieren, entstand die Bezeichnung Chorflankenturm.
Das heutige äußere Erscheinungsbild der Sulzdorfer Pfarrkirche prägt aber der große Umbau in der Barockzeit, in den Jahren 1725 - 1727. Dem Barock entspricht als untrügliches Kennzeichen der eingeschnürte Zwiebelhelm. Zu dieser Zeit wurde auch das Langhaus wohl von Grund auf neu errichtet und auf seine heutige Länge nach Westen hin vergrößert. Von diesem Umbau kündet die geschweifte Relieftafel mit drei ovalen Wappen, Helmdecken aus Akanthus und einer Inschrift. Das Original der Gedenktafel hängt geschützt im Eingangsvor-bau an der Westseite der Kirche und deren Kopie ist über dem Sakristeieingang zu sehen. Die drei Wappen, der fränkische Rechen des Domkapitels, flankiert vom Wappen des Dompropstes Johann Philipp Fuchs (links) und des Domdekans Johann Veit von Würzburg (rechts), und die Inschrift geben Kunde von dem Patronatsherrn, der den Umbau seiner Kir-che zu Sulzdorf im Jahre 1727 mit erheblichen finanziellen Mitteln förderte. Weihbischof Jo-hann Bernhard Mayer von Würzburg (1705 - 1747) konsekrierte 1730 die Kirche mit dem St. Cyriakushochaltar, dem der Muttergottes geweihten linken Seitenaltar und dem Josefs- und Sebastiansaltar auf der rechten Seite.


Zeitgleich entstand wohl auch eine barocke Innenausstattung, die "wegen Alters und wegen Stillosigkeit und Ungeschmack" im Jahre 1823 einem klassizistischen Interieur weichen mußte. 1886 wurde die Innenausstattung im neoromanischen Stil erneuert.
Die heutige Innenausstattung geht auf die Renovierungen der letzten beiden Jahrhunderte zurück. Die Ausstattung des Chors stammt aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Liturgiereform des Kirchenkonzils (Vatikanum II) umgesetzt wurde. Der Zelebrationsaltar, eine trogförmige, auf einem mittigen Sockel und auf einer beidseitigen Auskragung ruhende Muschelkalkmensa, der Ambo aus Muschelkalk mit einem säulenförmigen Schaft und ab-strahierter Engelsfigur und der Tabernakel, ein kupfergetriebener und vergoldeter Metalltabernakel auf einem säulenförmigen Schaft und von zwei steinernen Flügel umrahmt, sind Werke des Würzburger Künstlers Lothar Forster.
Die beiden Seitenaltäre sind Ädikula-Retabeln mit schwarz gefaßter und goldenem Dekor geschmückter Architektur aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, stammen aus der Kapelle des Schlosses Egg bei Deggendorf und wurden 1937 vom damaligen Pfarrer Karl Hofmann für die Dorfkirche erworben. Sie ersetzten die neoromanischen Altäre aus der Kirchenrenovie-rung des Jahres 1886.
Der rechte Seitenaltar zeigt im Altarblatt (Ölgemälde) die "Anbetung der Könige" und wird von den Skulpturen der Apostel Petrus und Paulus flankiert. Im Auszug ist, bekrönt vom IHS-Monogramm, das Weihnachtsereignis dargestellt.
Der linke Seitenaltar zeigt im Altarblatt die Darstellung "Maria vom Sieg" und wird flankiert von den Skulpturen der hl. Bischöfe Wolfgang und Kilian, dem wohl erst 1937 das Schwert als Attribut beigegeben wurde. Im Auszug ist, bekrönt vom Marienmonogramm in der Strahlenaura, die heilige Familie dargestellt.
Der Taufstein aus grünem Sandstein ist ein etwa 1800 entstandenes Werk und steht auf einer quadratischen Platte. Die halbkugelförmige Beckenschale ruht auf einem konischen, kannelierten Schaft und schließt mit einem umlaufenden Flechtbandfries ab. Die bekrönende, polierweiße und vergoldete Figurengruppe der Taufe Christi schuf 1952 zusammen mit dem Vergolder Reges der fränkische Bildhauer Josef Gerngras. Behutsam und einfühlsam fügte er seine Werke in die vorhandene Kirchenausstattung ein. Er bevorzugte den Werkstoff Holz. Von dem Würzburger Bildhauer und "Herrgottsschnitzer" Gerngras stammt auch die Herz Jesu Figur, die Christus darstellt mit den Wundmalen, in Tunika und Mantel gekleidet, die Rechte zum Segen erhoben und die Linke auf das Flammenherz auf seiner Brust deutend. Aus den Werken des fränkischen Künstlers Gerngras spricht seine tiefe, persönliche Frömmigkeit. Seine ausdrucksstarken Herz Jesu Figuren sind auch in den Kirchen zu Ingolstadt und Eßfeld zu sehen.
Im Rahmen der Kirchenrenovierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirkte auch der Kunst- und Kirchenmaler Eulogius Böhler (1861 - 1943) mit. Eulogius Böhler stammt aus dem badischen Oberland (Bergelungen / Säckingen) und ging mit 18 Jahren nach München, um in Abendkursen an der Kunstgewerbeschule zu studieren. Auf seiner Wanderschaft kam er auch nach Würzburg und wurde dort ansässig. Einen Namen machte er sich zunächst als Restaurator. Mit hervorragendem handwerklichem Können und künstlerischem Einfühlungs-vermögen restaurierte "Logi" Böhler im Kloster Oberzell die Deckengemälde von Johann Zick, der in der Residenz das große Deckenfresko des Gartensaales schuf. Von seiner Kunst als Restaurator zeugen auch die Deckengemälde des Johann Peter Herrlein in den Pfarrkir-chen zu Knetzgau und Althausen und des Georg Sebastian Urlaub in Arnstein. Böhler war ein sehr guter Restaurator, der mit großem handwerklichen Können den Werken ihre ursprüngliche farbliche Fassung zurückgab. Er stand ganz in der Tradition der Renaissance und des Barock. Sein antimodernistischer Kunststil ist dem "Historismus" zuzuordnen, einer Kunstrichtung, die sich der Wiederaufnahme älterer Stilformen verpflichtet fühlte. Er ging nicht wie andere Künstler seiner Zeit den Weg der "Klassischen Moderne" und wurde von der damaligen Kunstgeschichtswissenschaft verächtlich als altmodischer Traditionalist abgetan: Seine volkstümliche Kirchenmalerei wurde in der künstlerischen Fachwelt wenig geschätzt. Bisweilen wurden bei späteren, modernen Renovierungen Böhlers Werke als "nicht künstlerisch wertvoll" einfach übertüncht, wie dies u.a. in der Pfarrkirche zu Gaubüttelbrunn geschah. In jüngster Zeit jedoch änderte auch die Kunstwissenschaft ihr Urteil zu den Werken Böhlers. Die religiöse Kirchenmalerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird nun auch in der Kunstgeschichtsschreibung angemessen gewürdigt. "Eulogius Böhler hat in seiner Zeit die fränkische Volkskultur mit geprägt und seine Werke wurden Teil der fränkischen Regionalgeschichte" (Prof. Stefan Kummer, Würzburg).
Eulogius Böhler war ein außerordentlich populärer Künstler. Er war ein Würzburger Original. Die Menschen liebten seine Kunst. Über 100 unterfränkische Pfarreien holten den Kirchenmaler "Logi" ins Dorf und gaben ihm den Auftrag, "ihre" Kirche auszugestalten. Seine Werke entsprachen offensichtlich ihrer Lebenswelt, standen (und stehen noch heute) dem Denken und Fühlen des Volkes sehr nahe.
Im Jahr 1912 schuf dieser volkstümliche Künstler Eulogius Böhler in der Pfarrkirche zu Sulz-dorf das Deckengemälde und die Kreuzwegstationen, die den alten Kreuzweg aus dem Jahre 1870 ersetzte. Die Kreuzwegstationen von 1870 und 1912 waren Stiftungen der Familie Kemmer zu Sulzdorf. Im Jahre 1918 schuf Eulogius Böhler in der Pfarrkirche zu Euerhausen die beiden Deckengemälde und die Kreuzwegbilder.
Georg Dehio erwähnte bereits 1911 in seinem Handbuch der Kunstdenkmäler in Franken die um 1600 errichtete, 1727 einschneidend umgebaute Pfarrkirche in Sulzdorf mit ihrem Chorflankenturm und hebt als besonders gute Werke - neben dem Pfarrhaus mit seinem aus dem Jahr 1735 nahezu unversehrt erhaltenen Innenausbau - die etwa 1800 entstandene, klassizistische Kanzel hervor. Diese "interessante Arbeit mit Reliefmedaillons" eines unbe-kannten Meisters stammt aus der alten Augustinerkirche zu Würzburg und wurde nach der Säkularisation von der Gemeinde Sulzdorf für 50 fl. erworben. Auf der Rückwand ist ein Brustbild des hl. Augustinus zu sehen. Besonders gelungen sind die vier Medaillons an Kanzelkorpus und -stiege, Szenen aus dem Leben des hl. Kirchenvaters: Augustinus vor seiner Bekehrung im Garten, seine Taufe durch den hl. Bischof Ambrosius von Mailand, seine Wei-he zum Bischof und sein Wirken als Kirchenlehrer. Den Schalldeckel der Kanzel zieren die bischöflichen Insignien und die Darstellung des Guten Hirten.
Unter mehreren, erwähnenswerten Denkmalen auf dem Platz des "alten (bis 1823)" Friedhofes rund um die Sulzdorfer Pfarrkirche soll die Lourdesgrotte kurz beschrieben werden.
Die Sulzdorfer Lourdesgrotte ist eine Nachbildungen der Grotte von Massabielle bei Lourdes, dem großen Marienwallfahrtsort in den Westpyrenäen, wo am 11. Februar 1858 die Gottesmutter dem Hirtenmädchen Bernadette Soubirous erschien. Die "Weiße Frau" gab sich als "Unbefleckte Empfängnis" zu erkennen und forderte die Welt zum Rosenkranzgebet auf. Die Erscheinung wurde am 18. Januar 1862 von der Katholischen Kirche als "echt" anerkannt. Papst Pius X hat am 11. Februar 1907 das Fest der "Unbefleckten Empfängnis Mariens" auf den 8. Dezember gelegt und die Feier des Festes auf die gesamte Weltkirche ausgedehnt.
Viele katholische Pfarrgemeinden - im Internet ist allein in der Bundesrepublik auf 250 Lour-desgotten verwiesen; im Bereich der Marktgemeinde Giebelstadt gibt es Lourdesgrotten in den Ortsteilen Allersheim, Eßfeld, Euerhausen und Sulzdorf - haben im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Anlehnung an ihre Pfarrkirchen Lourdesgrotten errichtet mit Marienstatuen nach dem Vorbild der Skulptur, die Joseph Fabisch im Jahr 1864 für die Grotte von Lourdes schuf.
Die Lourdesgrotte in Sulzdorf ist besonders sehenswert. Sie wurde 1898 an der Kirchhofmauer nördlich der Kirche in der Nähe des Ölberges errichtet. Die Figur der Lourdesmadonna steht in einer Nische, in inmitten einer gemauerten, efeuumrankten Felsengrotte, die von einem halbrunden Eisenzaun umfaßt wird. Die Lourdesgrotte wurde von der Familie Fleischmann 1898 gestiftet und wird von dieser Familie auch heute noch liebevoll betreut und geschmückt.
Meist sind die Lourdesgrotten Stiftungen frommer Gläubiger, die damit ein Gelübde erfüllen oder ihre Dankbarkeit für Hilfe in einer Notlage zeigen wollten. Sie gehören zum katholischen Brauchtum und den alten katholischen Frömmigkeitsformen. Sie sind Andachtsstätten, mit dem Rosenkranzgebet eng verbunden und sichtbares Zeichen der Marienverehrung. Die Inschrift auf einer Marmortafel in der Lourdesgrotte zu Sulzdorf sagt aber viel mehr zu die-sem Zeichen des frommen, katholischen Glaubens und seiner Zielsetzung, die sehr viel mit Andachtsbildern gemein hat, aus als es wortreiche Erklärungen können: " O MARIA / ohne Sünde empfangen / bitt für uns !"




Weit über 30 Heiligenstatuen, mehrere Bildstöcke und einige Feldkreuze wurden bereits im Jahr 1911 als herausragende Kunstwerke in den Kunstdenkmälerband des alten Landkreises Ochsenfurt aufgenommen und zieren noch heute Häuser, Vorgärten, Straßen und Fluren des alten Kirchdorfes Sulzdorf. Von besonderer Schönheit ist eine (nach der Inschrift) 1721 errichtete, barocke St. Michaelsstatue vor dem Anwesen Fleckenstein (Gaubüttelbrunner Straße 21). Dargestellt ist die prächtig bewegte Figur des hl. Michael mit Flammenschwert und Schutzschild, sein Bein zum Zeichen des Triumpfes auf den Leib Satans gestellt, der besiegt zu seinen Füßen liegt. Von der tiefen Gläubigkeit und dem Lebensgefühl der Menschen zu Beginn des 18. Jahrhundert kündet die lateinische Inschrift des Schildes: "Quis ut deus (=Wer ist wie Gott)" und der Gebetstext auf der Säule: "Sankt Michael ! Starker Held, / Kämpfer gegen Höll u. Welt./ Beschütze Haus, Hof u. Feld".



Peter Wamsler M.A.
Archiv- und Heimatpfleger in
Giebelstadt von 2000 - 2011



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