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Euerhausen 700 n. Chr.



Erste urkundliche Erwähnung Euerhausens
um 1252 n. Chr.
Die Geschichte des Dorfes und der Pfarrei Euerhausen ist trotz guter Quellenüberlieferung bis heute nicht erforscht. Die Gründung von Dorf und Pfarrei und die Errichtung der ersten Kirche in Euerhausen gehören in den Bereich der Vermutungen. Es gibt keine archäologischen Forschungsergebnisse und keine Erkenntnisse der kirchengeschichtlichen Forschungen, die eindeutige Ergebnisse zu den Anfängen von Dorf und Pfarrei und zur Errichtung der ersten Kirche vor dem 13. Jahrhundert geben könnten.
Die Ortsnamenforschung datiert die Dörfer mit Ortsnamen, die sich aus einem Personennamen und der Endung "-hausen" zusammensetzen, ins frühe und hohe Mittelalter, also ins 8. bis 12. Jahrhundert. Die Quellen zum Zehnt belegen in Euerhausen eine Kirche um 1368. Der Zehnt kann, wenn Euerhausen Königsgut war, im 8. Jahrhundert oder, wenn Euerhausen im Besitz einer Adelsfamilie war, im 9. Jahrhundert auf dem Wege der Schenkung und des Verkaufs vom Zehntbesitzer an das Bistum Würzburg gekommen sein. Der Bischof von Würzburg gab den Zehnt zu Euerhausen an das Stift Neumünster in Würzburg weiter. Da beides ein Dorf mit Kirche in Euerhausen voraussetzt, könnte bereits im 8. oder 9. Jahrhundert das Pfarrdorf Euerhausen existiert haben. Die Patrozinienforschung vor dem Hintergrund des germanischen Eigenkirchenwesens gibt ebenfalls keinen eindeutigen Hinweis auf die Dorf- oder Pfarreigründung und den ersten Kirchenbau. Es spricht jedoch eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Gründung von Kirche und Pfarrei in Euerhausen im Zusammenhang mit den Grafen von Komburg-Rothenburg steht und damit ins 11. oder 12. Jahrhundert zu datieren wäre.
Ein Architektonischer Hinweis, der Schlußstein mit Blattkreuz an der ostwärtigen Außenwand der Pfarrkirche, stammt aus dem 15. Jahrhundert und belegt damit eine Kirche zwischen 1400 - 1500. Der heutige "Kirchturm" ist ein Relikt der mittelalterlichen Kirchenburganlage und ist als spätmittelalterlicher Torturm der Kirchhofbefestigung zwischen 1250 und 1500 einzuordnen. Die Kirchenburganlage entstand wohl an der Stelle der alten, ins 13. Jahrhundert zu datierenden Burg, die 1444 bereits als Burgstall, d.h. als im Verfall befindliche Burg urkundlich belegt ist.
Der erste urkundliche Nachweis zu Euerhausen stammt aus dem Jahr 1252, als das Heidingsfelder Weistum "Friedrich von Urhusen" als hohenlohischen Lehensmann erwähnt. Im 13. Jahrhundert wurde auch die "Alphabethglocke" (siehe unten) gegossen, die heute im Euerhäuser Kirchturm hängt. Als zur Mitte des 14. Jahrhunderts die Territorialherren überall ihren Besitz konzentrierten und auch die Herren von Hohenlohe ihren Besitzschwerpunkt nach Süden ins "Hohenloher Land" verlagerten, gab es mehrere hohenlohische Lehensleute "von Euerhausen", die mit ihrem Lehensherrn ihren Schwerpunkt in den Westen des hohenlohischen Herrschaftsbereiches verlegten. Friedrich von Urhusen könnte aber auch ein Mitglied einer Seitenlinie des Zobel`schen Geschlechtes sein, das 100 Jahre später, zur Mitte des 14. Jahrhunderts neben anderen Adelsfamilien in Euerhausen seinen Hauptbesitz hatte. Andreas Zobel ist der erste Angehörige des Geschlechtes der Zobel von Giebelstadt, das sich 1368 "gesessen zu Euerhausen" nennt.

Streifzug durch die Besitz- und Herrschaftsgeschichte

Im 14. Jahrhundert lassen sich in Euerhausen neben den Zobel von Giebelstadt zu Euerhausen und dem Stift Neumünster auch das Domstift (1345) mit 2 Höfen als Grundbesitzer nachweisen. Im 15. Jahrhundert ist die Gült von einem Hof in Euerhausen als Besitz des Spitals in Ochsenfurt (1419 - 1609) belegt. 1428 haben die Burggrafen von Nürnberg in Euerhausen ein Mannlehen, das vom Amt Bebenburg aus verwaltet wird und ursprünglich Zobelscher Besitz war. Die Zobel von Giebelstadt hatten ihr Eigentum zu Euerhausen dem Burggrafen zu Lehen aufgetragen, das nun beim erbenlosen Tod des Wilhelm Zobel an die Burggrafen "heim fiel", d.h. die Besitzrechte gingen an den Lehenherrn zurück. 1444 und 1454 tragen Götz und da-nach Hans von Berlichingen 2 Teile des Burgstalls in Euerhausen vom Fürstbischof in Würzburg zu Lehen. Im 15. Jahrhundert hat auch der Deutsche Orden in Mergentheim Besitz in Euerhausen. Bis 1508 sind auch die Wolfskehl zu Albertshausen in Euerhausen begütert. Von den geistlichen Institutionen haben bis zur Säkularisation das Kloster Bronnbach, das Schottenkloster St. Jakob, Kloster St. Marx, die Pfarrei Wolkshausen und die Pfarrei Randersacker in Euerhausen Grundbesitz.
Die Cent- und Vogteirechte, d.h. die Gerichts- und Dorfherrschaft in Euerhausen, liegen beim Hochstift Würzburg, das 1605 für Euerhausen eine Dorfordnung erläßt und den Ort, der 1633 ca. 180 Einwohner zählt, vom Amt Bütthard aus regiert. Der Dorfherr, Fürstbischof Jo-hann Philipp von Schönborn, verleiht 1657 Euerhausen ein Dorfsiegel mit dem Hl. Nikolaus als Siegelbild.
Der Groß- und Kleinzehnt und der Handlohn sind vor 1363 bereits in der Hand des Stifts Neumünster, werden im 15. Jahrhundert vom Neumünsterischen Amt Gaurettersheim aus verwaltet und verbleiben beim Stift Neumünster bis zur Säkularisation.
Die Zobel von Giebelstadt, seit dem Teilungsvertrag des Hauses Zobel im ausgehenden 16. Jahrhundert die Linie Zobel von Giebelstadt zu Darstadt und Messelhausen, besitzen in Euerhausen das Patronatsrecht, das sich als Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle bis heute erhalten hat und vom Zobel`schen Patronatsherrn bei der Übernahme der Pfarrei im Jahre 1987 auch wahrgenommen wurde.
Diese Besitz- und Rechtsverhältnisse blieben nahezu unverändert bis während der napoleonischen Zeit das Fürstbistum Würzburg aufgelöst wurde. 1806 wurden die Gebiete des vormaligen geistlichen Fürstentums für kurze Zeit dem Großherzogtum Würzburg und nach dessen Auflösung (1814) endgültig dem Königreich Bayern zugeschlagen. Der gesamte Klosterbesitz wurde säkularisiert und fiel an das Königreich Bayern. Bei der politischen Neuorganisation des Hochstifts Würzburg 1804 kam das 259 Seelen zählende Kirchdorf Euerhausen vom Amt Bütthard zum Landgericht und Rentamt Röttingen (10754 Seelen) und wurde 1862 dem Be-zirksamt Ochsenfurt, dem Landgericht Aub und dem Rentamt Röttingen angegliedert. Nach Umgliederung des Regierungsbezirkes wurde Euerhausen dem Bezirksamt, Landgericht und Rentamt Ochsenfurt zugeschlagen und kam 1972 bei Auflösung des Landkreises Ochsenfurt zum Landkreis Würzburg. Zum 1.7.1972 wurde Euerhausen in die Marktgemeinde Giebelstadt eingemeindet.

Zur Geschichte von Pfarrei und Kirche

Die erste Kirche und die Gründung der Pfarrei in Euerhausen gehört in den Bereich der Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten. Es gibt keine archäologischen Forschungsergebnisse und keine Erkenntnisse der kirchengeschichtlichen Forschungen, die datierbare Hinweise zu den Anfängen der Pfarrei, zur Gründung des Dorfes und zur Errichtung der ersten Kirche geben könnten.
Nach der Patrozinienforschung ist aber die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Gründung von Kirche und Pfarrei in Euerhausen im Zusammenhang mit den Grafen von Komburg-Rothenburg steht und spätestens ins 11. oder 12. Jahrhundert zulegen ist. Der Familienheilige der Komburger war der hl. Nikolaus, der auch in Euerhausen Kirchenpatron ist.
Die Quellen zum Grundbesitz und Zehnt in Euerhausen belegen zunächst lediglich eindeutig, dass um 1368 in Euerhausen eine Pfarrei mit Kirche existierte, deren Zehnt dem Stift Neumünster zustand, und dass Neumünster in Euerhausen Grundbesitz hatte. Dies macht jedoch wahrscheinlich, dass die Grafen von Komburg spätestens etwa 1100 entweder die Euerhäuser Pfarrei gründeten und die Kirche zu Ehren des hl. Nikolaus errichteten oder die vorhandene Kirche dem hl. Nikolaus weihten. Da der Besitz in der Grafschaft der Komburger liegt, ist die Annahme rechtfertigt, dass Grundbesitz und Zehnt auf Königsgut zurückgeht und damit eine die Existenz von Dorf und Kirche im 8. Jahrhundert anzusetzen ist. Diese Vermutung stützt die Tatsache, dass 1089 Graf Emehard von Komburg aus den Reihen der Domherrn heraus zum Bischof des Bistums Würzburg gewählt wurde. Er brachte zahlreichen Komburger Besitz als Erbe mit, den er dem von ihm gegründeten Stift Neumünster übertrug. Auf diesem Weg kann der Besitz und der Zehnt in Euerhausen an das Stift Neumünster gekommen sein.
Im 15. Jahrhundert werden die Nachrichten zur Pfarrei Euerhausen zahlreicher. Im Jahre 1405 ist bereits mit Friedrich Model ein Pfarrer zu Euerhausen namentlich zu fassen. Aus dem Ablaßbrief für die Pfarrkirche St. Nikolaus (parochalis ecclesia s. Nicolai episcopi et confes-soris) von 1456 kennen wir den Kirchenheiligen und wissen, dass Euerhausen ein Pfarrdorf war. Die Würzburger Diözesanmatrikel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts (1464/65) listen in "Ewrhusen" eine Pfarrei und Pfarrkirche mit einer eigens dotierten Frühmesserstelle, wohl in Sächsenheim, auf.
Im Jahre 1499 sind die Zobel von Giebelstadt erstmals als Patronatsherrn zu Euerhausen belegt. Im diesem Jahr präsentiert Philipp Zobel einen Kandidaten auf die Pfarrei Euerhausen. Das Patronatsrecht zu Euerhausen geht im Teilungsvertrag des Jahres 1596 zwischen dem Hause Zobel von Giebelstadt zu Darstadt und Meselhausen und Zobel von Giebelstadt zu Giebelstadt an die Darstadter Linie, an den würzburgischer Rat und Amtmann zu Arnstein Stephan Zobel (+ 1597), der mit Cordula Echter von Mespelbrunn verheiratet war. Der Patronatsherr Stephan Zobel von Giebelstadt setzt unter dem Einfluß seines fürstbischöflichen Schwagers und seiner Ehefrau Cordula die Echter`sche Kirchenreform um. In Euerhausen beginnen die Aufzeichnungen der Pfarrmatrikel, eine Folge von Reformation und Trientiner Konzil, mit den exakten Einträgen zu Taufe, Hochzeit und Geburt nicht erst wie sonst üblich nach dem Dreißigjährigen Krieg (ab 1650) sondern bereits 1596. Das Zobelwappen auf einer Sandsteintafel an der Ostseite des Torturmes kündet noch heute von den Zobel von Giebelstadt zu Darstadt als Patronatsherrn in Euerhausen. Auf das Präsentationsrecht hatte sich das Patronatsrecht, nachdem 1887 eine vertragliche Regelung über die Ablösung der Baulasten gefunden worden war, letztlich reduziert. Den Zobel von Giebelstadt zu Darstadt und Messelhausen steht das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle Euerhausen bis heute zu und sie nahmen es auch bei der Übernahme der Pfarrei durch Pfarrer Heribert Arnold im Jahre 1987 wahr.
Nach den Aufzeichnungen der Pfarreieinkünfte aus den Jahren 1540 und 1642 war Euerhausen keine reichlich dotierte Pfarrpfründe. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Euerhäuser Filiale Darstadt an den Eßfelder Pfarrer vergeben worden war, blieb die Pfarrei Euerhausen unbesetzt. Die Gläubigen mußten nach Sächsenheim oder Wolkshausen zum Gottesdienst und der Bischof von Würzburg besetzte die Pfarrei erst wieder, als die Gemeinde sich 1698 bereit erklärte, die Pfarrdotation um 45 fl. zu erhöhen. Der Patronatsherr selbst hatte in Euerhausen keinen Besitz, da er diesen, das Patronatsrecht ausgenommen, dem Burggrafen von Nürnberg, d.h. den späteren Markgrafen von Ansbach zu Lehen aufgetragen hatte und dieses Lehen beim Tode Wilhelm Zobels an den Lehensherrn als erledigtes Lehen heim fiel.
Im 18. Jahrhundert erhalten die katholischen Herchsheimer Untertanen der Giebelstadter Zo-bellinie, die seit 1695 wieder katholisch geworden war, die Genehmigung, in der katholischen Kirche zu Euerhausen sich trauen und ihre Kinder taufen zu lassen. Dies galt nicht für die Untertanen der weiterhin protestantischen Friesenhäuser Linie, die in Herchsheim Kondominatsherr war. Die Pfarrei Euerhausen gehörte 1820 zum Landkapitel Heidingsfeld, war mit einem Pfarrer und einem Cooperator besetzt und zählte 254 Seelen, zu denen noch die 158 Herchsheimer Katholiken kamen. Von 1787 bis 1822 versuchten die Katholiken, die 2/3 der Bevölkerung ausmachten, in Herchsheim eine Kapelle zu errichten oder die Kirche als Simultaneum zu nutzen. Dies scheiterte jedoch am Widerstand der Protestanten und des prote-stantischen Kondominatsherrn aus der Friesenhäuser Linie der Zobel. 1829 wurden durch königlichen Erlaß die Herchsheimer Katholiken nach Euerhausen eingepfarrt und 1874 die Herchsheimer kath. Schule mit der Euerhäuser Schule zusammengelegt.
Im 30jährigen Krieg (1647) war die Mehrzahl der Gebäude in Euerhausen durch Brand zerstört worden. Auch die Kirche brannte nieder und wurde (wohl notdürftig) wieder aufgebaut. An die Stelle dieser Kirche aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts trat der barocke Kirchenbau des frühen 18. Jahrhunderts, der noch heute das Ortschaftsbild der Gemeinde Euerhausen prägt.



Kurzbeschreibung der Pfarrkirche St. Nikolaus in Euerhausen
Das sich stets wandelnde Stilempfinden der Menschen hinterließ zu allen Zeiten an Bauwerken durch Restaurierungen und Umbauten meist recht deutliche Spuren. Die Baumaßnahmen des 19. Jahrhunderts an der Kirche zu Euerhausen lassen sich in den archivalischen Quellen nachweisen, sind am Bauwerk selbst für den aufmerksamen Betrachter erkennbar und sollen hier nicht erläutert werden. Diese Kurzbeschreibung beschränkt sich auf den "Kirchturm", die "Echterkirche", den barocken Neubau des 18. Jahrhunderts und einige wenige Kostbarkeiten in und um die Kirche zu Euerhausen.
Der "Kirchturm"
Die Euerhäuser Kirche, ein schmucker Barockbau aus dem frühen 18. Jahrhundert, wurde an der Stelle einer mittelalterlichen Kirchenburganlage errichtet, wovon noch heute die typischen Merkmale des spätmittelalterlichen (1250 - 1500) "Torturmes" steinernes Zeugnis geben. Die Bausubstanz des Turmes weist zahlreiche Merkmale eines Befestigungsturmes und Torturmes auf, wie sie bereits Hans Karlinger, der Verfasser des grundlegenden Werkes über die Kunstdenkmäler unserer Region, im Jahre 1911 beschrieb. Der knapp 10 m südwestlich der Kirche stehende Turm ist ursprünglich ein Torturm der mittelalterlichen Friedhofsbefestigung aus unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk, dessen westlicher Zugang vermauert ist. In der Torhalle (Tordurchfahrt) mit gewölbter Tonne und Stichbogen nach Osten, wo sich heute das Kriegerdenkmal der Gemeinde befindet, sind die Torflügelpfannen noch erkennbar. An der Südostecke sind noch bis zu einer Höhe von 5 m Ansätze der Ringmauer (Ummauerung) und an der Nordostecke ein Strebepfeiler zu erkennen. Die Ostmauer ist über 1 m dick. Der Zugang zum Turm ist nur über eine hölzerne Außentreppe möglich, deren Antritt auf zwei Kragsteinen liegt. Im Turm haben sich zwei nach Süden gerichtete Schlüsselschießscharten erhalten. An der westlichen Außenseite unter dem Gurtsims, der den mittelalterlichen Turm vom echterzeitlichen Aufbau trennt, sind zwei Kragsteine erhalten, die - so vermutet Karlinger - als Träger eines Gußerkers dienten, von dem aus zur Abwehr eines Angreifers heißes Pech oder Öl auf die Einfahrt gegossen werden konnte. Der echterzeitliche Aufbau, die nach allen vier Seiten vorhandenen, spitzbogigen Schallöffnungen mit Fischblasenmaßwerk entsprechen dem Turmaufbau, wie er auch in Herchsheim, Allersheim und Sulzdorf zu sehen ist. Diesen "Echterturm" kennzeichnet vor allem der für das Gebiet des Würzburger Hochstifts und Bistums typische, gotisch spitze, achtseitige Pyramidenhelm: Er weist den Turmaufbau in Euerhausen eindeutig der Echterzeit (wohl spätes 16. Jahrhundert) zu. Das Wappen des Fürstbischofs Julius Echter an der Westseite des Turmes beweist dies zusätzlich.
Der Turm erhielt seine Form als typischer "Echterturm" unter der Patronatsherrschaft von Stephan Zobel von Giebelstadt und seiner Ehefrau Cordula, einer Schwester des Fürstbischofs Julius Echter. Diese architektonischen Hinweise belegen, dass der isoliert stehende, spätmit-telalterliche, 10 m von der Kirche entfernte Turm der Torturm einer Friedhofsbefestigung, einer Kirchenburganlage war und im ausgehenden 16. Jahrhundert nur umgebaut wurde.

Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Euerhausen: Die Echterkirche und der barocke Neubau des 18. Jahrhunderts
Ein herausragendes Kleinod unter den Sakralbauten des Ochsenfurter Gaues ist die dem heiligen Nikolaus geweihte, 1728-1729 erbaute und 1730 eingeweihte Pfarrkirche zu Euerhausen mit dem dazugehörigen, freistehenden "Kirchturm".
Die Pfarrkirche inmitten der Kirchenburg beschreibt Karlinger bereits 1911, nennt 1728-30 als Bauzeit von Kirche und Langhaus und legt den Bau der Vorgängerkirche auf das Ende des 16. Jahrhunderts (Echterzeit) fest. Die Innenausstattung hält er für gute Arbeiten, die um 1743 entstanden seien.
Der Kirchenbau zu Beginn des 18. Jahrhunderts war kein kompletter Neubau, sondern ein Um- und Erweiterungsbau, dem zwar die gotischen, zweiteiligen Fenster mit Fischblasen-maßwerk in Chor und Langhaus und das gotisches Portal im Westgiebel zum Opfer fielen, der aber noch aber noch genügend viele Merkmale einer echten "Echterkirche" aufweist. Eine Betrachtung der Bausubstanz zeigt deutlich, dass die Dorfkirche einige der typischen, bisweilen stark gotischen Stilelemente aufweist, die Kirchen der späten Renaissancezeit, häufig irreführend als "Echterstil" bezeichnet, prägen. Insgesamt wurden im Fürstbistum Würzburg etwa 330 - u.a. auch in Euerhausen (1595), Darstadt (1597), Sulzdorf (1600), Eßfeld (1614), Allersheim (1616) und mit Abweichungen auch in Herchsheim - dieser Landkirchen des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert erbaut, erweitert oder renoviert, wovon die für jene Zeit typischen, wappenverzierten Bauinschriften und meist die gotischen Spitztürme künden. Diesen Spätrenaisancekirchen sind hohe, helle Räume gemeinsam, die einem freien Blick auf das Geschehen am Altar ermöglichen. Die Euerhäuser Kirche erhielt ihre prägenden Stilelemente als typische "Echterkirche" unter der Patronatsherrschaft von Stephan Zobel von Giebelstadt und seiner Ehefrau Cordula, deren Familie auch die beiden einzig heute als Ge-samtensemble erhaltenen katholischen "Echterkirchen" zu Büchold und Breitensee errichtete. Die "Echterkirchen" sind noch nicht von der künstlerischen Großartigkeit und der Bau- und Selbstdarstellungssucht späterer, barocker Bauherrn geprägt.
Der eingezogene Chor der Kirche mit einem Joch und Schluß in drei Seiten besitzt ein Kappengewölbe, dessen Deckenstukatur aus leicht aufgetragenem Band- und Laubwerk Karlinger 1911 beschreibt und der Zeit des Kirchenumbaus (1730) zuordnet. Echterzeitlich mutet das gefällige, leichte Band- und Laubwerk zwar an, das Chor und Fensterlaibungen heute ziert. Es erhielt aber wohl sein Gestalt bei der Kirchenrenovierung im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Die Mitte des Chorgewölbes schmückt in einem Stuckrahmen das Bild der Hl. Familie, das Karlinger bereits im Jahre 1911 als "modernes Werk" beschreibt, das mit "EWB" (Eulogius Böhler) signiert ist. Eulogius Böhler, der 1918 die Deckengemälde des flach ge-deckten Langhauses und die Kreuzwegbilder in Euerhausen schuf, hat auch die Darstellung der Hl. Familie gemalt, ob vor 1911 oder auch um 1918 - wie die Deckengemälde im Langhaus - muß offen bleiben. Den Westgiebel ziert über dem "Renaissance-Portal" mit geradem Sturz und gebrochener Leistenumrahmung eine Sandsteinplastik des Kirchenpatrons, des Hl. Nikolaus, die wohl der Umbauzeit im 18. Jahrhundert zuzuordnen ist.

Die Innenausstattung der St. Nikolauskirche in Euerhausen
Der Hochaltar mit dem Altarbild des Heiligen Nikolaus
Den Hochaltar mit vier Säulen und beidseitigem Ranken- und Gitterwerk mit den seitlichen Durchgängen und den darüber stehenden "Holzfiguren" ordnet Karlinger der Mitte des 18. Jahrhunderts zu. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist das prachtvolle Altargemälde des Hochaltars ein Werk Georg Sebastian Urlaubs (1685 - 1763). Georg Sebastian Urlaub ist der Stammvater der bekannten Thüngersheimer Malerfamilie, die in sieben Generationen bis ins 20. Jahrhundert wirkte. Der berühmteste Sproß der Malerfamilie Urlaub aus Thüngersheim ist Georg Anton Urlaub (1713 - 1759), der u.a. auch Fresken und Altarbilder in Tückelhausen und Sonderhofen (1757/58) schuf und dem Rokokostil nahe steht.
Georg Sebastian Urlaub gehört der ersten einheimischen Künstlergeneration der ländlichen Barockmaler (im Gegensatz zu den Hofmalern) im Hochstift Würzburg an. Er ging möglicherweise noch beim Rubensschüler Oswald Onghers (gest. 1706) in die Schule. Sicher aber hat er die Bilder Onghers studiert und zum Vorbild genommen. Auch der Einfluß Giovanni Battista Tiepolos, des Schöpfers des weltweit bekannten Deckenfreskos der Würzburger Re-sidenz, dürfte erwiesen sein. Insbesondere seine späten Werke sind von dem Hofmaler Clemens Anton Lünenschloß, dem Augsburger Maler Johann Georg Bergmüller und dem Tiepolosohn Domenico beeinflußt. Georg Sebastian Urlaub ist das erste Mitglied der Malerfamilie Urlaub, das die Entwicklung vom Handwerker-Maler zum Künstler vollzog. Er gehört der ländlich orientierten, fränkischen Malergruppe an, ist konservativ dem Barock zugehörig und signiert meist mit vollem Namen. Sein künstlerisches Oeuvre sind Altarblätter, Kreuzwegstationen, Szenen aus dem Leben Jesu und Heiligendarstellungen in den Hochstiften Würzburg und Bamberg als Öl- oder Freskomalerei. Er arbeitet handwerklich ausgezeichnet und meist detailgetreu nach Bildern der flämischen Maler Peter Paul Rubens und Antonius van Dyck, die ihm aus Vorlagen berühmter Kupferstecher wie Lukas Vorstemann und Paul Pontius zur Verfügung standen. Das Hochaltarblatt in Euerhausen dürfte um 1729 entstanden sein, als der Künstler in der benachbarten Gaukönigshöfer Kirche das Deckengemälde schuf.


Das Altarblatt stellt nach den Attributen den hl. Bischof Nikolaus dar. Der Kirchenheilige schwebt - ohne Raumbezug, keine Füße - im Zentrum des oberen Bildteiles. Es enthält da-neben weitere Bildelemente, anekdotische Bildteile mit volkstümlicher Zielrichtung. Beseelte, natürlich wirkende Menschen blicken zum herausgehobenen Heiligen empor ohne theatralischen Effekt. Das Nikolausbild ist ein typisches konservatives (im Gegensatz zum beginnenden Rokoko) Werk eines ländlichen Barockmalers, der in den Quellen vom "pictor", zum "Kunstmaler" und in der Chronik des Klosters Schönau, für das er den größten Teil seiner Werke schuf, zum "damals in Franken berühmten Maler" aufstieg.
Bisweilen wird das Altarblatt des Hochaltars aufgrund der Reste einer stark verputzten Signatur auf dem Altarblatt "Schw...". 1839" dem wenig bekannten Würzburger Hofmaler Jo-hann Ernst Schwab zu geschrieben. Johann Ernst Schwab hat aber wohl den Hochaltar nur restauriert und "weiß alabastriert".
Der Tabernakel stammt von Johann Georg Auwera (1764 ca.), wobei die Anbetungsengel spätnazarenisch sind.
Das Bandel- und Gitterwerk der Blendflügel der Altarseiten (1737) stammen von dem Ochsenfurter Bildhauer Leopold Kurzhammer (1683 -1746), dessen Stil nach seinen vollbrüstigen Frauenfiguren und gerade dem Bandel- und Gitterwerk der Blendflügel der Altarseiten in Euerhausen dem Spätbarock und den Anfängen des Rokoko (Ornamentik: Bandelwerk in Roncaille- und Muschelwerk) zugeordnet werden kann.
Die Seitenaltäre mit ihren Baldachinen und Pilastern stuft bereits Karlinger als "gute" Arbeiten ein und konnte eine Signatur " Leon Fet / / ? 1743 entdecken. Wahrscheinlich ist die Entzifferung "J. Georg Felckh" die richtigere. Johannes Georg (Hans Jörg) Völk, Felkh, Völck, der Stammvater der Ochsenfürter Künstlerfamilie Völk schuf wohl 1742 und 1743 die Altarblätter der dem hl. Sebastian und der Gottesmutter geweihten Seitenaltäre. Seine drei Söhne, Franz Michael, Johann Baptist und Johann Georg Bartholomäus waren ebenfalls Maler. Der berühmteste Sproß der Familie war Johann Georg Bartholomäus Völck (*1747 in Ochsenfurt; gest. 1815 in Würzburg), der ab 1770 in Würzburg als Bildnismaler und Maler Historischer Landschaftbilder lebte und arbeitete.
Die Deckengemälde in der Pfarrkirche Euerhausen, sind Werke von Eulogius Böhler. Im Jahre 1782 entstand der Plan einer neuen Kirchendecke, deren Bau auch wenig später realisiert wurde. Den Auftrag zur Gestaltung der Deckenfresken und der Kreuzwegbilder in der Euerhäuser Pfarrkirche ging an den fränkischen Künstler und Kirchenmaler Elogius Böhler (1861 - 1943), dessen Person und Schaffen in der Kirchenbeschreibung von Sulzdorf ausführlich dargestellt wurde. Der "Maler in Franken" schuf im Jahre 1918 die beiden Deckengemälde "Christi Geburt" und "Das Abendmahl" und die Deckenmedaillons der "Vier Evangelisten". Böhlers Deckengemälde sind als Besonderheit nicht allansichtlich, d.h. nicht zur Rundumbetrachtung angelegt, sondern wie ein Staffelbild gearbeitet.
Die Pfarrkirche zu Euerhausen hat zwei Kreuzwege und weist damit auf eine besondere Entwicklungsphase in Tradition und Entstehung dieser typischen katholischen Frömmigkeitsform hin. Bis 1800 gab es ausschließlich Kreuzwege und Kreuzigungsgruppen außerhalb der Gotteshäuser, an Ortsverbindungs- und Wallfahrtswegen, in den Friedhöfen und an den Au-ßenwänden der Kirchen. Im 19. Jahrhundert begann zunehmend die Verlegung der Kreuzwegstationen in die Kirchen und damit auch ihre variantenreiche Darstellungsform.
Nach mehreren Angebotsauswertungen und langwierigen Verhandlungen erhielten im Jahre 1902 die Gebrüder Josef und Peter Feile, akademische Bildhauer aus Würzburg den Zuschlag für einen Kreuzweg in Euerhausen, finanziert aus Spenden und aus der Friedhofskasse. Sie schufen 14 "Kreuzwegbilder in Relief aus französischem Kalkstein mit einer Umrandung aus rotem Sandstein an der Außenmauer für die Euerhäuser Kirche (2000 M) zur Zierde des Gottesackers und zur Erbauung der Gläubigen". Die Kreuzwegbilder im Innern der Pfarrkirche sind, wie auch die Deckengemälde, Werke von Eulogius Böhler aus dem Jahre 1918, der bereits sechs Jahre zuvor (1912) in der Pfarrkirche zu Sulzdorf ebenfalls das Deckengemälde und die Kreuzwegstationen geschaffen hatte.
Kreuzwege und Kreuzwegandachten sind eine ihrem tieferen Sinne nach heute nur noch schwer vermittelbare Frömmigkeitsformen, deren traditionelle Wurzeln kaum noch bekannt sind. Dennoch ziert nahezu jede katholische Kirche ein Kreuzweg. Kreuzwegandachten sind der betende Nachvollzug des Leidens und Sterbens Jesu. Kreuzwege und Kreuzigungsgruppen sind "Andachtsbilder" und sollen die meditative Betrachtung der Passionsgeschichte der Bibel von der Verurteilung vor Pilatus bis zum Tod am Kreuz begleitend unterstützen. Die mystische Betrachtung der Glaubensgeheimnisse soll in Verbindung mit Textlesungen, Gebeten und Liedern alle Sinne des Beters ansprechen. Das Beten des Kreuzweges und Kreuzwegsandachten stehen in der alten Tradition der Passionsmystik, die auf das 14. Jahrhundert zurückgeht und vor allem durch die Franziskaner, die bis heute die Heiliggrabkustodie in Je-rusalem betreuen, gefördert wurde. Seit dem 15. Jahrhundert gibt es zahlreiche Darstellungen von Kreuzigungsgruppen (Aub; 1510). 1731 wurde der Kreuzweg durch ein Rundschreiben (Breve) Papst Clemens` XII formal auf 14 Stationen festgelegt, der Gesamtkirche empfohlen und den Franziskanern zur Betreuung anempfohlen. Der biblische Kreuzweg und die Kreuzwegandachten wurden als schwer vermittelbare, katholische Frömmigkeitsform von der Aufklärung (gegen 1800) bekämpft und von der Amtskirche abgelehnt. Das katholische Volk hielt jedoch an dieser Tradition fest und entwickelte sie sogar fort. Zur Zeit der Aufklärung wurde der Kreuzweg nämlich um die 15. Station der "Kreuzauffindung" oder "Auferstehung des Herrn" erweitert.
Unter den vielen Kostbarkeiten in und um die Kirche von Euerhausen, die Kleinodia an Paramenten und Kelchen, die bereits Karlinger 1911 hervorhebt, sei hier nur auf eine der Kirchenglocken der Nikolauskirche zu Euerhausen verwiesen. Die "Alphabethglocke" wurde im 13. Jahrhundert gegossen und stellt allein aufgrund ihres Alters ein besonderes Kleinod dar. Sie ist die wohl die älteste Glocke im Ochsenfurter Gau. Wenn sie tatsächlich für die Kirche in Euerhausen gegossen wurde, ist sie das älteste Zeugnis der Pfarrei und Pfarrkirche Euerhausen. Den besonderen Reiz dieser Kirchenglocke stellt die unregelmäßige Aneinandereihung von Buchstaben auf der "Alphabethglocke" dar, deren möglicher verschlüsselter Code noch zu knacken wäre.



Peter Wamsler M.A.
Archiv- und Heimatpfleger in
Giebelstadt von 2000 - 2011


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